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Praktikumsberichte Automobilwerkstatt
J. Westenthanner, 02.06. - 01.08.03
Ich bin Kfz-Mechaniker bzw. Maschinenbautechniker und habe ein zweimonatiges Praktikum absolviert um technisches Spanisch zu lernen und die Arbeitsweise in Mexiko kennenzulernen. Nach der Vorbereitungswoche im "Fenix Language Institute" habe ich erst 4 Wochen als Mechaniker bei einer Automobil-Werkstatt und anschließend 4 Wochen als Techniker bei einem Automobilzulieferer gearbeitet.
Autmobilwerkstatt:
... ist eine kleine Autowerkstatt für mechanische und elektrische Reparaturen, Fahrwerksvermessung und Reifenservice. Zum großen Teil werden Autos von Volkswagen, Nissan und Chevrolet repariert, meist Fahrzeuge älteren Baujahres. Die wenigsten Kfz-Mechaniker hier haben eine Ausbildung absolviert, sondern sich ihr Wissen als Hilfskraft bei einer Werkstatt angeeignet. Wenn jemand seinen eigenen Betrieb aufmachen will, kann er auch das ohne Gesellenbrief oder andere größere Schwierigkeiten tun. So hat auch mein Chef José-Luis begonnen, der hauptsächlich mechanische Reparaturen durchführt und selbständig arbeitet, wie die beiden anderen Mechaniker in ihren Bereichen.
Die Werkstatt ist einfach ausgestattet, ohne Hebebühne oder Grube arbeitet er mit einem kleinen Wagenheber auf dem Boden. Moderne Werkzeuge verwendet er wenige, Hammer und Brecheisen ersetzen unsere Spezialwerkzeuge. Zum Herausheben eines Motors dient eine alte Kinderschaukel. Aber er repariert fast alles, vom Wechsel der Bremsklötze bis zum Überholen eines kompletten Motors. Ein Ersatzteillager gibt es nicht, aber mehrere Ersatzteilhändler sind in der Nähe und meistens kaufen die Kunden die Ersatzteile selber, nachdem mein Chef das Problem festgestellt hat. Ab und zu kommt es vor, daß ein Ersatzteil nicht zu bekommen ist und erst in dem jeweiligen Land bestellt werden muß. Dann bleiben die Autos in der Werkstatt stehen und wegen Platzmangels wird dann auch auf dem Gehsteig vor der Halle repariert. Bei Regen mußte so manchmal die Arbeit unterbrochen werden, auch in der Werkstatt, weil es durch das Wellblechdach tropfte und so zumindest die Arbeiten am Boden unmöglich machte.
Die Kunden (Taxifahrer, Lehrer, Bankkaufleute, Polizisten...) hatten großes Interesse zu erfahren, warum ich hier bin und so ergaben sich viele Gelegenheiten mit unterschiedlichen Menschen zu sprechen. Es wurde immer viel gescherzt und gelacht, in den Pausen spielten wir manchmal Fußball. Das war auch sonst immer großes Gesprächsthema, da sie alle sehr fußballbegeistert sind. Das Fachliche kam dabei nicht zu kurz, wenn ich eine Frage bezüglich der Namen für Werkzeuge oder Autoteile hatte, haben mir der Chef, die Kunden oder die Freunde der Werkstatt immer gern geholfen.
Für mich war es schwierig, auf einem Karton am Boden zu arbeiten, da ich das nicht gewohnt war. Auch mit den Werkzeug- und Schraubengrößen (Millimeter und Zoll) hatte ich anfangs Probleme. Durch das Fehlen von Preisen von Ersatzteilen muß hier viel improvisiert werden, aber manchmal dauerte das für mich sehr lange und schien immer noch nicht sehr sicher oder haltbar zu sein. Wenn etwas repariert wird und noch eine Schraube oder eine Mutter fehlt (auch bei den Reifen) macht es nichts: Es paßt schon "Wenn es geht".
Mittelständischer Automobilzulieferer:
...ist in Tezayuca, etwa 30 km von Cuernavaca entfernt. Das Unternehmen stellt Spoiler für praktisch alle in Mexiko ansässigen Automobilhersteller her. Ein wichtiges Projekt im Moment ist die Entwicklung von Spoilern für den neuen Ford "Ecosport". Außerdem fertigen sie Module für die Geldautomaten einer Bank und entwickeln dafür auch neue Prototypen.
Die Arbeitsbedingungen sind gut, das Unternehmen ist gut organisiert, die Arbeitsbereiche in der Fabrik sind großflächig und der Großteil der Maschinen und Werkzeuge sind gut und neuwertig. Im Büro sind die Computer größtenteils modern und mit dem neuen "Windows XP" und den neuesten Programmen von "Office" ausgestattet. Internet-Zugang ist von allen Rechnern aus möglich. In Tezayuca ist es immer einige Grade wärmer als in Cuernavaca, aber im Büro gibt es Ventilatoren und im ganzen Unternehmen stehen Behälter mit Trinkwasser zur Verfügung.
Ich habe im Büro und in der Werkstatt gearbeitet (ungefähr 50:50). Im Büro hatte ich einen eigenen Schreibtisch, mußte mir aber einen Computer mit Kollegen teilen. Eine meiner Aufgaben im Büro war die Erstellung einer Matrix zur Kostenkalkulation von Reklameschildern für verschiedene Flughäfen in Mexiko mit Excel, eine weitere die Erstellung einer Handzeichnung für einen Alu-Bilderrahmen mit Maßangaben und Stückliste.
In der Werkstatt arbeitete ich bei der Montage der Module für die Geldautomaten bzw. bei der Herstellung verschiedener Prototypen mit. Und ich machte ein Audit über Undichtheiten im Druckluftsystem des ganzen Betriebes, vom Kompressorraum bis hin zu den Werkzeugen und eine Wartung bei einem mobilen Kleinkompressor.
Bei dieser Firma konnte ich verschiedenes dazulernen. Bei diesen Arbeiten, speziell in der Fabrik hatte ich viel Kontakt mit den Arbeitskollegen. Diese waren sehr freundlich und wenn es ein Problem gab, haben sie mir gerne etwas erklärt oder geholfen. Insgesamt haben sich meine Erwartungen an das Praktikum erfüllt und ich werde diese Zeit in Mexiko in guter Erinnerung behalten.
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