Fenix Language Institute in Cuernavaca - Mexiko. Spanisch Sprachschule und Praktikum.


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Praktikumsberichte Mittelstaendiger Automobilzuliefererbetrieb

Praktikumsbericht V. Hahn, 8.8.05 - 7.10.05

Ein Betriebspraktikum dient dazu, berufspraktische Erfahrungen zu sammeln, nach dem Studium interessante Tätigkeitsfelder auszuprobieren und theoretisches Wissen praktisch anwenden zu lernen. Ich wollte ausserdem die Chance nutzen, während meines universitären Pflichtpraktikums meine Spanischkenntnisse zu verbessern und eine neue Kultur kennen zu lernen. Da kam mir die Kooperation der ZAV mit der Sprachschule Fenix in Cuernavaca gerade recht. Mit AD, einem 100% mexikanischem Automobilzulieferer, der unter anderm Spoiler und Heckflügel herstellt, schlug diese mir den perfekten Praktikumsgeber vor und so absolvierte ich dort vom 08. August bis zum 07. Oktober 2005 mein Praktikum in den Abteilungen "Internationaler Vertrieb" und "Unternehmensplanung/-entwicklung". Zuvor besuchte ich noch eine Woche den Orientierungskurs in der Sprachschule, der mich vor einem allzu grossen Kulturschock bewahren und mich in die mexikanische Arbeitsweise einführen sollte. Außerdem vermittelte mir Fenix eine Gastfamilie, bei der ich während meiner gesamten Zeit in Cuernavaca wohnen konnte.

Schock ist vielleicht ein zu starkes Wort um meinen ersten Eindruck der Praktikumsstelle zu beschreiben. Gewöhnungsbedürftig trifft es da schon eher. So gibt es bei Air Design zur Zeit noch kein eigenes Bürogebäude für die administrativen Angestellten, sondern nur einen durch Styroporwände abgegrenzten Bereich zur Produktion, den alle Büroangestellten nutzen. Da sitzt der Chef zwischen Controllerin und Praktikantin und gleich daneben der Industriedesigner. Allerdings kann es schon mal ziemlich laut werden, wenn der Ingenieur seine Versuche fährt. Der Vorteil ist allerdings, dass jeder weiss, was der andere macht und eine familiäre Atmosphäre herrscht. So wusste ich immer, an wen ich mich wenden konnte. Alle haben mich sehr nett empfangen und mir geduldig geholfen. Durch alle Ebenen wird sich geduzt, was mir meinem Chef gegenüber in der ersten Woche noch relativ schwer gefallen ist, aber durch seine nette Art sind diese Zweifel schnell verflogen.

Meine Aufgaben umfassten den Bereich Marketing und Unternehmensentwicklung. AD will in naher Zukunft seine Produktpalette ausbauen und neue Märkte, zunächst in Lateinamerika, erschliessen. Dazu habe ich eine Marktanalyse des gesamten Raumes Lateinamerika angefertigt, um herausfinden zu können, wo für die Firma lukrative Geschäfte warten. Anschliessend habe ich ein Benchmarking für Brasilien und Argentinien erarbeitet. Immer wieder konnte ich meinen Kollegen aber auch bei anderen Dingen helfen, wie beispielsweise bei der Kostenentwicklung der Logisik. Gegen Ende meines Praktikums habe ich dann noch den Produktkatalog ins Deutsche übersetzt. Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir das Praktikum gefallen hat, auch wenn ich mir gewünscht hätte, etwas mehr in verschiedene Vorhaben und Strategien eingewiesen worden zu sein. An manchen Tagen war die Arbeit langweilig, weil der Computer durch die Hitze nicht in die Gänge kam, oder weil ich das Gefühl hatte stumpfsinnig vor mich hin zu arbeiten. Durch Gespräche mit meinem Chef konnte ich letztere Situationen aber immer öfter vermeiden, ausserdem hat er mir das Gefühl gegeben, dass ich ihm eine grosse Hilfe war.

Hinzu kommt ja auch noch, dass bei einem Praktikum in Mexiko die Arbeit nicht alles ist. Durch den Kontakt zur Schule konnte ich an Exkursionen am Wochenende in die nähere Umgebung und Veranstaltungen während der Woche in Cuernavaca teilnehmen. So habe ich leicht Anschluss an Gleichgesinnte gefunden, mit denen ich meine Nachmittage, Abende und das ein oder andere Wochenende in Acapulco verbringen konnte. Vor allem Leticia Dorado, die Direktorin von Fenix, war dabei immer bemüht eine gute Freundin zu sein, an die man sich ohne Scheu wenden konnte und deren Tür, auch zu Hause, immer offen stand. Die Zweifel, die ich vor meiner Ankunft in Mexiko hatte, vor allem was die fehlende Sprachkompetenz und die grossen Kulturunterschiede betrafen, haben sich schnell in Luft aufgelöst und ich habe gelernt, dass Mexiko nicht zu Unrecht schon seit einigen Jahren nicht mehr als Schwellenland bezeichnet wird. Ich habe eine tolle Zeit in Mexiko genossen, das nicht nur landschaftlich wunderschön, reich an Geschichte und mit einem super Klima ausgestattet ist, sondern vor allem auch eine liebenswerte Bevölkerung beherbergt, die nicht, wie vielleicht angenommen, den ganzen Tag mit Sombrero und Poncho auf der Terasse Siesta macht.

Heute bin ich sehr froh, dass ich zwei spannende, erlebnisreiche Monate in Mexiko verbringen durfte, denn anders als meine Studienkollegen komme ich gutgelaunt, spanischsprechend und braungebrannt aus meinem Praktikum an die Uni zurück.

 

Praktikumsbericht Doris, 18.10.04-1.06.05

Am Dienstag, den 7. September 2004 kam ich am Flughafen in Mexico City an. Eine Bekannte, bei der ich im Jahr 2000 schonmal Ferien in Cuernavaca gemacht hatte, holte mich vom Flughafen ab und wir fuhren gemeinsam mit dem Pulman de Morelos nach Cuernavaca.

Die ersten Tage verbrachte ich bei ihr, ehe ich dann am 12. September zu meiner Gastfamilie zog, wo ich allerdings 4 Tage spaeter wieder auszog und bei einer anderen Gastmutter unterkam.

Am Montag, den 13. September fing dann der Sprachkurs bei Fenix an. Ich war sehr ueberrascht, als ich merkte, dass es ausser mir nur noch fuenf weitere Schueler gab. Der Unterricht bei Fenix hat mir sehr gut gefallen und ich konnte viel lernen. Ich hatte vier Wochen Sprachunterricht und anschliessend eine Woche Orientierung, in der ich auf das Arbeitsleben vorbereitet werden sollte.

Das Praktikum sollte dann am 18. Oktober anfangen.

Fenix hatte fuer mich die Firma AD ausgesucht. Es handelt sich dabei um ein mittelstaendisches Familienunternehmen, dass von den beiden Bruedern Carlos und Miguel Avalos gefuehrt wird. Die Firma wurde 1991 von der Familie gegruendet und spezialisiert sich weitesgehend auf aerodynamische Autoassecoirs, zu ihren Kunden gehoeren u.a. VW und Nissan. Nebenbei sind auch noch Bancomer sowie die mexikanische Post Kunden.

Die Firma besteht aus einem Hauptbuero in Mexico City, wo Miguel Avalos die Verantwortung hat, sowie einem kleinen Buero, einer Fabrik und der Entwicklungseinrichtung in Tezoyuca, in der Naehe von Cuernavaca, fuer das Carlos Avalos zustaendig ist.

Der Pratkikumsverantwortliche von Fenix fuhr mich zu AD. Der erste Eindruck war verwirrend, da die Firma und die Fabrik doch anders aussehen, wie etwas vergleichbares in Deutschland. Ueberrascht hat mich, dass die Sicherheitsleute auf Fahrraedern umher fahren. Auch das Buero erschreckte mich zunaechst, da es provisorisch war, mit Styroporwaenden.

Nachdem ich das alles aufgenommen hatte, wurde mir mein Chef vorgestellt, Carlos. Ein sehr netter und durchaus sypmathischer Chef, den ich vom ersten Moment an mochte. Wir einigten uns, dass ich erst zwei Tage spaeter mit dem Praktikum anfangen sollte und er sich bis dahin eine Aufgabe fuer mich ueberlegen wuerde.

Somit fing ich am 20.Oktober 2004 mein Praktikum bei AD an. Carlos hatte sich fuer mich ueberlegt, dass ich die Marketingstrategie fuer ein neues Produkt entwerfen und vorbereiten sollte. Diese Aufgabe erschien mehr sehr schwierig, da ich ja gerade erst von der Uni kam und noch nie soviel Verantwortung hatte.

Ich fing erstmal an mir Gedanken zu machen, wie ein Produkt am Besten verkauft wird und machte mich mit dem Produkt selber vertraut. Anschliessend versuchte ich Informationen zu sammeln, z.B. von Anzeigenkosten in relevanten Zeitschriften oder wer potenzielle Ansprechpartner sind und wie ich sie erreichen kann. Nach einiger Zeit wurde mir das allerdings zu langweilig, da ich auch das Gefuehl hatte, das Projekt war mittlerweile eingeschlafen.

Nach einem Gespraech mit meinem Chef einigten wir uns darauf, dass ich ein neue Aufgabe bekommen wuerde. Von da an hatte ich taeglich kleinere Aufgaben zu erledigen, wie z.B. Adresslisten erstellen, Ordner zusammenstellen, aber auch Vorbereitung von Praesentationen, Datenverdichtung, usw.

Ich fand es sehr gut, dass auf meine Wuensche sofort eingegangen wurde und dass ich jederzeit mit meinem Chef ueber alles reden konnte. Es gab Arbeiten, die mir nicht gefallen haben und manchmal hatte ich auch gar nichts zu tun, aber dafuer gab es auch immer wieder Momente, in denen ich wirklich hart arbeiten musste, bis an die Grenzen meiner Belastbarkeit kam und sehr gefoerdert wurde.

Positiv fand ich auch, dass ich jederzeit Hilfe im Unternehmen fand. Alle Mitarbeiter von AD waren mir gegenueber sehr aufgeschlossen und hilfsbereit. Viele zeigten sich durchaus interessiert und das finde ich vor allem sehr bemerkenswert, da AD schon des oefteren Praktikanten aus dem Ausland aufgenommen hat, aber alle werden freundlich und mit viel Herzlichkeit aufgenommen.

Meine kulturellen Probleme wurde des oefteren beim Mittagessen ausdiskutiert und wenn ich Fragen zu Land, Leute und spannenden Ausflugszielen hatte, so wurde mir da auch immer stets ausfuehrlich geantwortet.

Als ich mit meinem Praktikum anfing, waren ausser mir noch zwei weitere deutschsprachige Praktikantinnen bei AD. Am Anfang war es fuer mich eine Erleichterung, dass ich mich nicht alleine zurechtfinden musste, jedoch waren fuer mich die letzten zwei Monate meines Praktikums wohl die intensivsten, was zum Einen daran liegen mag, dass ich eine neue Aufgabe hatte, mit der Firma mittlerweile sehr vertraut war aber bestimmt auch deshalb, weil ich die einzige deutschsprachige Praktikantin war und ich somit gezwungen war, egal um was fuer ein Problemchen es sich handelte mit den Mexikanern zu reden.

Ich habe sehr intensive Erfahrungen in der Firma gemacht. Gerade der Anfang war sehr schwierig, da ich mit meinen Spanischkenntnissen noch nicht so weit war und oft nicht so genau verstand, was eigentlich passierte. Ich bin auch oft ins Fettnaepfchen getreten und habe manche kulturellen Unterschiede sehr bewusst wahrgenommen.

Fuer mich war AD eine sehr gute Entwicklungsmoeglichkeit. Ich habe viel fachliches sowie zwischenmenschliches hinzugelernt (manchmal vielleicht nur als stiller Zuschauer) und konnte meine Spanischkenntnisse verbessern.

Waehrend meiner Praktikumszeit habe ich den Kontakt zu Fenix nie ganz verloren. Jedoch fand ich es ein bisschen schade, dass sobald man Praktikant war von Fenix ein wenig vernachlaessigt wurde. Es gab immer noch das Angebot an diversen Klassen teilzunehmen, die am Spaetnachmittag stattfanden, nur leider waren diese Zeiten fuer mich meistens einfach nicht machbar, da ich, bedingt durch den langen Weg von Tezoyuca nach Cuernavaca, selten vor 18 Uhr abends zu Hause war. Somit blieb mir wenig Glegenheit an Veranstaltungen von Fenix teilzunehmen. Hier haette es mich gefreut, wenn es mehr Abendveranstaltungen gegeben haette. Auch gab es zu Anfang meiner Praktikantenzeit keinerlei Informationen seitens Fenix ueber Veranstaltungen. Erst ein paar Monate spaeter, wurde es ueblich, dass emails mit einer Aktivitaetenliste rumgeschickt wurden.

Ansonsten bin ich allerdings sehr zufrieden mit Fenix. Wenn ich Probleme mit den Behoerden hatte wegen dem FM3 oder sonstige Probleme, hat Fenix mir jederzeit Hilfestellung gegeben und auch bei diversen Wohnungssuchen konnte ich mich drauf veralssen, dass Fenix, insbesondere Leticia Dorado, mir hilft.

Ich habe in den 9 Monaten meines Aufenthaltes in Mexico viel gelernt, natuerlich was die Sprache angeht, aber auch was zwischenmenschliches angeht. Ich bin sehr froh, dass ich diese Erfahrungen machen konnte und ich bin sehr froh, dass ich sie mit AD und Fenix machen konnte.


J. Westenthanner, 02.06. - 01.08.03 hat zwei Praktika miteinander kombiniert

Ich bin Kfz-Mechaniker bzw. Maschinenbautechniker und habe ein zweimonatiges Praktikum absolviert um technisches Spanisch zu lernen und die Arbeitsweise in Mexiko kennenzulernen. Nach der Vorbereitungswoche im "Fenix Language Institute" habe ich erst 4 Wochen als Mechaniker bei einer Automobil-Werkstatt und anschließend 4 Wochen als Techniker bei einem Automobilzulieferer gearbeitet.

Autmobilwerkstatt:

... ist eine kleine Autowerkstatt für mechanische und elektrische Reparaturen, Fahrwerksvermessung und Reifenservice. Zum großen Teil werden Autos von Volkswagen, Nissan und Chevrolet repariert, meist Fahrzeuge älteren Baujahres. Die wenigsten Kfz-Mechaniker hier haben eine Ausbildung absolviert, sondern sich ihr Wissen als Hilfskraft bei einer Werkstatt angeeignet. Wenn jemand seinen eigenen Betrieb aufmachen will, kann er auch das ohne Gesellenbrief oder andere größere Schwierigkeiten tun. So hat auch mein Chef José-Luis begonnen, der hauptsächlich mechanische Reparaturen durchführt und selbständig arbeitet, wie die beiden anderen Mechaniker in ihren Bereichen.

Die Werkstatt ist einfach ausgestattet, ohne Hebebühne oder Grube arbeitet er mit einem kleinen Wagenheber auf dem Boden. Moderne Werkzeuge verwendet er wenige, Hammer und Brecheisen ersetzen unsere Spezialwerkzeuge. Zum Herausheben eines Motors dient eine alte Kinderschaukel. Aber er repariert fast alles, vom Wechsel der Bremsklötze bis zum Überholen eines kompletten Motors. Ein Ersatzteillager gibt es nicht, aber mehrere Ersatzteilhändler sind in der Nähe und meistens kaufen die Kunden die Ersatzteile selber, nachdem mein Chef das Problem festgestellt hat. Ab und zu kommt es vor, daß ein Ersatzteil nicht zu bekommen ist und erst in dem jeweiligen Land bestellt werden muß. Dann bleiben die Autos in der Werkstatt stehen und wegen Platzmangels wird dann auch auf dem Gehsteig vor der Halle repariert. Bei Regen mußte so manchmal die Arbeit unterbrochen werden, auch in der Werkstatt, weil es durch das Wellblechdach tropfte und so zumindest die Arbeiten am Boden unmöglich machte.

Die Kunden (Taxifahrer, Lehrer, Bankkaufleute, Polizisten...) hatten großes Interesse zu erfahren, warum ich hier bin und so ergaben sich viele Gelegenheiten mit unterschiedlichen Menschen zu sprechen. Es wurde immer viel gescherzt und gelacht, in den Pausen spielten wir manchmal Fußball. Das war auch sonst immer großes Gesprächsthema, da sie alle sehr fußballbegeistert sind. Das Fachliche kam dabei nicht zu kurz, wenn ich eine Frage bezüglich der Namen für Werkzeuge oder Autoteile hatte, haben mir der Chef, die Kunden oder die Freunde der Werkstatt immer gern geholfen.

Für mich war es schwierig, auf einem Karton am Boden zu arbeiten, da ich das nicht gewohnt war. Auch mit den Werkzeug- und Schraubengrößen (Millimeter und Zoll) hatte ich anfangs Probleme. Durch das Fehlen von Preisen von Ersatzteilen muß hier viel improvisiert werden, aber manchmal dauerte das für mich sehr lange und schien immer noch nicht sehr sicher oder haltbar zu sein. Wenn etwas repariert wird und noch eine Schraube oder eine Mutter fehlt (auch bei den Reifen) macht es nichts: Es paßt schon "Wenn es geht".

Mittelständischer Automobilzulieferer:

...ist in Tezayuca, etwa 30 km von Cuernavaca entfernt. Das Unternehmen stellt Spoiler für praktisch alle in Mexiko ansässigen Automobilhersteller her. Ein wichtiges Projekt im Moment ist die Entwicklung von Spoilern für den neuen Ford "Ecosport". Außerdem fertigen sie Module für die Geldautomaten einer Bank und entwickeln dafür auch neue Prototypen.

Die Arbeitsbedingungen sind gut, das Unternehmen ist gut organisiert, die Arbeitsbereiche in der Fabrik sind großflächig und der Großteil der Maschinen und Werkzeuge sind gut und neuwertig. Im Büro sind die Computer größtenteils modern und mit dem neuen "Windows XP" und den neuesten Programmen von "Office" ausgestattet. Internet-Zugang ist von allen Rechnern aus möglich. In Tezayuca ist es immer einige Grade wärmer als in Cuernavaca, aber im Büro gibt es Ventilatoren und im ganzen Unternehmen stehen Behälter mit Trinkwasser zur Verfügung.

Ich habe im Büro und in der Werkstatt gearbeitet (ungefähr 50:50). Im Büro hatte ich einen eigenen Schreibtisch, mußte mir aber einen Computer mit Kollegen teilen. Eine meiner Aufgaben im Büro war die Erstellung einer Matrix zur Kostenkalkulation von Reklameschildern für verschiedene Flughäfen in Mexiko mit Excel, eine weitere die Erstellung einer Handzeichnung für einen Alu-Bilderrahmen mit Maßangaben und Stückliste.

In der Werkstatt arbeitete ich bei der Montage der Module für die Geldautomaten bzw. bei der Herstellung verschiedener Prototypen mit. Und ich machte ein Audit über Undichtheiten im Druckluftsystem des ganzen Betriebes, vom Kompressorraum bis hin zu den Werkzeugen und eine Wartung bei einem mobilen Kleinkompressor.

Bei dieser Firma konnte ich verschiedenes dazulernen. Bei diesen Arbeiten, speziell in der Fabrik hatte ich viel Kontakt mit den Arbeitskollegen. Diese waren sehr freundlich und wenn es ein Problem gab, haben sie mir gerne etwas erklärt oder geholfen. Insgesamt haben sich meine Erwartungen an das Praktikum erfüllt und ich werde diese Zeit in Mexiko in guter Erinnerung behalten.


Dieser kurze Bericht stammt von Antje N. die ihr Praktikum im Zeitraum vom 02.08.-07.10.1999 absolvierte

"Bei AD hatte ich ein eigenes Projekt.

Das Unternehmen produziert Autoteile, wie Spoiler und Stoßstangen für Nissan, Volkswagen und Chevrolet. Demnächst soll ein neues Produkt auf den Markt kommen, wobei es sich um ein Kit für den alten VW Käfer handelt. Das Kit besteht aus vorderer und hinterer Stoßstange, Außenspiegeln, und Mittelkonsole und soll für ca. 1000 Pesos in ganz Lateinamerika verkauft werden. Mein Projekt war es schließlich, Firmen in Brasilien zu finden und zu kontaktieren, die dieses Kit in Brasilien verkaufen könnten.

Zwei Monate waren zu kurz, um das Projekt zu beenden, trotzdem habe ich kleine Erfolge erzielt und denke, dass meine Arbeit dem Unternehmen geholfen hat."


Dieser kurze Zwischenbericht stammt von Daniel G. der mit Britta H. während seines Praktikums ein Projekt bearbeitete

"Z.Zt. mache ich zusammen mit Britta (studiert Architektur) ein Praktikum bei der Graphik-Design-Firma in Tezoyuca. - Antje N. hat dort schon ein Praktikum im Marketingbereich gemacht.

Wir konstruieren das Bürogebäude für die vor kurzem neugebaute Firma. Alles ein bisschen "loco", da wir nicht wie zuvor (von der Firma) versichert mit einem Architekten zusammenarbeiten. Unser Ansprechpartner ist der Chef der Firma.

Es macht mir aber sehr viel Spaß und ich lerne eine Menge. Alle Angestellten sind sehr sehr nett. Ein schönes Arbeitsklima."

von Thomas L. der sein Praktikum vom 2.5. - 29.9.2000 absolvierte

(...)

2.4 Die Autoindustrie in Mexiko

Mexikos Automobilindustrie hat in den letzten Jahren einen tiefgreifenden Wandel erlebt. Noch 1990 war lediglich ein Drittel der inländischen Produktion für den Export bestimmt. Heute gehen fast 70% der nationalen Produktion ins Ausland, ganz überwiegend in die USA und nach Europa. Mexiko hat sich damit einen Platz unter den größten Autoproduzenten der Welt gesichert, was sicherlich auch dem Beitritt zur NAFTA zu verdanken ist. Volkswagen produziert in Puebla sein Modell New Beetle, welches von hier aus in 84 Länder geliefert wird. In den nächsten Jahren möchte man die Jahresproduktion auf bis zu 250.000 Einheiten ausdehnen. Auch Daimler-Chrysler produziert sein neues PT-Cruiser-Modell ausschließlich in Mexiko. Nach Angaben von Daimler-Chrysler soll das Werk in Toluca später einmal bis zu 180.000 Stück im Jahr produzieren.

Mexiko ist als Produktionsstandort für viele Hersteller mehrfach interessant. Durch das am 01.07.2000 in Kraft getretene Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union (EU) ist es neben Israel das einzige Land, welches mit beiden Wirtschaftsräumen (Nordamerika und EU) ein Freihandelsabkommen besitzt. Außerdem bietet Mexiko ein Lohnniveau, was bei etwas 10% des Niveaus in den USA liegt und das bei vergleichbarer Arbeitsproduktivität.
Auf diesem, mit großem Wachstumspotential ausgestatteten Markt, hat sich der mexikanische Mittelstandsbetrieb A. als Zulieferbetrieb für die Automobilindustrie etabliert und versucht durch eine gezielte Produktpolitik seine Position weiter zu stärken.

3.1 Allgemeine Informationen

A. ist ein mittelständiges mexikanisches Unternehmen mit der Rechtsform einer Aktiengesellschaft, wobei das Kapital zu 100 Prozent in Familienbesitz ist. Air Design produziert und vertreibt Zubehörteile für die Automobilindustrie sowie Komponenten für die Möbelindustrie.

Gegründet wurde A. mit dem Ziel sich auf die Produktion von Spoilern für die Autoindustrie zu spezialisieren. Damit entdeckte man eine Marktlücke und stieß auf sehr großen Erfolg, sodass die Produktpalette in den darauffolgenden Jahren kontinuierlich erweitert wurde. 1997 ging die Firma mehrere Kooperationen mit Firmen der Möbelindustrie ein und produziert seitdem auch Sitzflächen, Rückenlehnen und Armlehnen für Bürostühle.

Der Produktionsstandort befindet sich in Tezoyuca, einem kleinen Dorf südlich von Cuernavaca, der Hauptstadt des Bundesstaates Morelos. Hier befinden sich die Forschungs- und Entwicklungsabteilung sowie die Büros der Personalabteilung und die Abteilung zur Überwachung von Produktion und Qualität. Neben dem Produktionsstandort in Tezoyuca verfügt A. über ein Büro in der Hauptstadt Mexiko-City, wo sich die Buchhaltungs-, die Marketing- und die Vertriebsabteilungen befinden. Außerdem wird an diesem Standort eine Werkstatt zur Regulierung von Fahrzeugschäden und Gewährleistungsansprüchen unterhalten. Zur Zeit beschäftigt der Betrieb an beiden Standorten 150 Mitarbeiter und 5 Vertriebsangestellte.
Im Dezember 1997 wurden die Produktionsanlagen und Büros in Tezoyuca durch einen Brand komplett zerstört. In den beiden darauffolgenden Jahren wurden die Produktionshallen wieder aufgebaut, sodass jetzt wieder ohne Einschränkungen produziert werden kann.

A. liefert seine Kunststoffteile an fast alle in Mexiko ansässigen Automobilhersteller. Zu den wichtigsten Geschäftspartnern zählen Volkswagen Mexiko S.A de C.V., Nissan Mexiko S.A. de C.V., Daimler Chrysler, General Motors und Ford.

Das Unternehmen produziert nicht nur die Spoiler der eigenen Produktlinie, sondern übernimmt auch einen Großteil der Produktion, für die direkt vom Automobilproduzenten angebotenen Originalspoiler (Nissan, Volkswagen). Nissan stellt dabei den größten Abnehmer von Polyuhrethanerzeugnissen dar.

(...)

Seit drei Jahren arbeitet A. sehr eng mit vier großen Universitäten des Landes zusammen, u.a. mit den Universitäten U.A.E.M (Universität des Staates Morelos) und der renommierten Universität Monterrey TEC. Hierbei werden junge Akademiker an speziellen Forschungsprojekten beteiligt. Ein aktuelles Projekt beschäftigt sich mit der Entwicklung eines Elektrofahrzeuges, welches an einem Wettbewerb in den USA teilnehmen soll. Daneben engagiert sich A. erfolgreich im mexikanischen Motorsport. Für die mexikanische Formel 3- Serie werden die Karosserieteile sowie die Spoiler und Flügel entwickelt und für das 26 Autos umfassende Feld aus Fieberglas hergestellt.

Um keine Neuerungen und Automobilpremieren zu verpassen, holt sich die Unternehmensleitung Informationen aus international renommierten Automobilmagazinen. Dazu besuchen sie regelmäßig internationale Automobilausstellungen in Detroit, Genf, Frankfurt und Mailand.
In den vergangenen Jahren konnten die Umsätze des Unternehmens kontinuierlich gesteigert werden. In den nächsten Jahren strebt A. an, die Umsätze im eigenen Land weiter zu steigern und den Exportanteil zu erhöhen. Ziel ist es, den Exportanteil auf 60 Prozent vom Umsatz auszudehnen und den Umsatz selbst auf 12 Millionen US-Dollar bis 2002 zu erhöhen. Dazu müssen neue Märkte erschlossen werden. Hauptaugenmerk liegt dabei auf den Märkten in Lateinamerika, Japan sowie Europa. Die Sparte der Komponenten für die Möbelindustrie soll reduziert werden, da es dafür nur einen sehr kleinen Markt gibt. Andere Produkte befinden sich in der Entwicklungsphase oder stehen kurz vor der Markteinführung. Im August 2000 ist die Produktion eines neuen Projektes für die Metro in Mexiko-City angelaufen. Es handelt sich um die Werbetafel "Metrolight", welche an den einzelnen Metrostationen installiert werden soll.

(...)

3.2 Organisation des Unternehmens

A. ist ein mexikanisches Familienunternehmen, welches von den Brüdern Carlos Avalos Sartorio und Miguel Avalos Sartorio geleitet wird. Miguel Avalos Sartorio ist für alle administrativen und marketingtechnischen Abläufe im Unternehmen verantwortlich. Carlos Avalos Sartorio als Chef der Design- und Produktionsabteilung ist für die operativen Abläufe im Unternehmen zuständig.
Die Produktionsstätte in Tezoyuca ist in verschiedene Produktions- und Unterstützungsabteilungen untergliedert. Für jede dieser Abteilungen gibt es einen sogenannten Supervisor, eine Art Abteilungsleiter bzw. Vorarbeiter.
Die Produktionsabteilungen in Tezoyuca sind unterteilt in: Injektion, Endfertigung, Lackiererei, Verpackung und Instandhaltung. Neben diesen, für die Produktion relevanten Abteilungen besitzt das Unternehmen an diesem Standort noch eine eigene Designabteilung. Weitere, in Tezoyuca ansässige Unternehmensbereiche sind: Personalabteilung, Buchhaltung, Qualitätskontrolle und Betriebsschutz. Die Buchhaltungsabteilung in Tezoyuca sammelt ausschließlich Daten für die Hauptabteilung in Mexiko-City.

Ein teures Lager für fertige Produkte leistet sich das Unternehmen nicht. Ein Teil der fertigen Endprodukte werden solange in einem kleinen Lager gesammelt bis sie direkt zum Endverbraucher gebracht werden. Die Abnehmer für die Produkte der Möbelindustrie befinden sich alle im Umkreis von Cuernavaca. Nach der Herstellung werden die Produkte direkt mit dem firmeneigenen LKW zum entsprechenden Abnehmer gebracht.

Die Produkte für die Automobilindustrie werden, soweit sie das Inland betreffen, ebenfalls von A. bis an den Bestimmungsort geliefert. Die Werke von Daimler-Chrysler und von General Motors befinden sich im 100 Kilometer entfernten Toluca, der Betrieb von Volkswagen im 130 Kilometer entfernten Puebla und das Werk von Nissan direkt in Cuernavaca. Für die Lieferungen in die Vereinigten Staaten bzw. nach Übersee werden die Produkte zu einer Spedition nach Cuernavaca geliefert, welche sich um den weiterführenden Transport kümmert.

Bis ein Produkt für die Automobilindustrie fertig gestellt ist, muss es vier Bereiche der Fertigung durchlaufen. Die Produkte für die Möbelindustrie müssen bis zum fertigen Produkt je nach Materialart eine bis drei Stationen des Fertigungsprozesses durchlaufen. Die einzelnen Produktionsabteilungen arbeiten eng miteinander zusammen, sodass Probleme aufgrund der kurzen Kommunikationswege sehr schnell erkannt und gelöst werden können.
Um auftretende Probleme frühzeitig erkennen zu können, gibt es einmal in der Woche ein Zusammentreffen aller Abteilungsleiter und Mitarbeitervertreter zu einer Art Qualitätszirkel.

(...)

3.4 Arbeitszeiten, Regeln und andere typisch mexikanische Verhaltensweisen

Das Praktikum bei dem mexikanischen Unternehmen wurde von mir in der Zeit vom 02.Mai 2000 bis zum 29. September 2000 absolviert. Die Arbeitszeit betrug bei einer 5-Tage-Woche täglich acht Stunden. Fehltage aufgrund von Krankheit bzw. anderen Anlässen gab es nicht. Während des Praktikums stand mir ein eigener Arbeitsplatz mit Computer und Internetzugang zur Verfügung. Das Unternehmen ermöglichte mir ein weitgehend selbständiges Arbeiten. Bei etwaigen Fragen standen mir die beiden Chefs und die anderen Mitarbeiter jederzeit mit fachkundigem Rat zur Seite. Die Arbeitszeiten für die Arbeiter und Angestellten der Firma betragen täglich 10 Stunden. Hin und wieder fallen Überstunden an, welche extra bezahlt werden. Im ersten Jahr einer Beschäftigung hat man einen Anspruch auf 5 Tage bezahlten Urlaub. Dieser Anspruch erhöht sich mit jedem zusätzlich Jahr der Betriebszugehörigkeit bis auf maximal 12 Tage. Einen Betriebsrat oder gar gewerkschaftlich organisierte Arbeitnehmer gibt es bei A. nicht. Die beiden Chefs des Unternehmens haben das "europäische Unternehmerdenken" stark verinnerlicht und versuchen auch ihre Mitarbeiter davon zu überzeugen. Dies ist aber eine sehr schwere Aufgabe, da die typische mexikanische Arbeitsweise, als auch die Lebensauffassung der Mexikaner, die sich von unserer europäischen Art und Weise sehr stark unterscheidet, diesen Bemühungen entgegenwirkt.

Im Unternehmen herrscht eine sehr hohe Personalfluktuation, vor allem im Bereich der Fertigung. Mit jedem Mitarbeiter wird ein schriftlicher Arbeitsvertrag abgeschlossen. Es gibt keine Kündigungsfristen, welche eingehalten werden müssen. Wer gehen will kann gehen, wer arbeiten möchte, darf arbeiten. Für die administrativen Bereiche und die Designabteilung trifft dieser Zustand natürlich nicht zu. Hier arbeitet qualifiziertes Personal, ausgebildete Buchhalterinnen und Industriedesigner.

Die hohe Fluktuation im Bereich der Produktion ist zum einen auf das geringe Gehalt zurückzuführen, zum anderen auf die bereits angesprochene Mentalität der Mexikaner. Der Altersdurchschnitt des Personals liegt bei ca. 29 Jahren, also sehr jung. Die zum Teil erst 18- bis 20-jährigen Jungen und Mädchen reagieren oft sehr launisch, und verlieren schnell die Lust an einer Arbeit. Während meiner Zeit habe ich sehr viele Leute kommen und gehen sehen. Das Gehen geschah zumeist auf freiwilliger Basis, sei es, dass die jeweilige Person eine bessere Anstellung gefunden hat oder eben keine Lust mehr hatte. In solch einem Fall gibt es keinen groß angelegten bürokratischen Verwaltungsakt. Die betreffende Person bittet um ein Gespräch mit einem der Chefs, erklärt ihm ihre Situation, und am nächsten Tag erscheint sie dann nicht mehr am Arbeitsplatz. Von Seiten der Firma habe ich keine Kündigungen beobachten können, es gab aber trotz allem Maßnahmen der Geschäftsleitung gegen schlechtes Verhalten. Mexikaner haben eine andere Vorstellung von der Zeit, ein anderes Zeitgefühl als die meisten Menschen westlicher Industrienationen. Zwar erzeugt die Gesellschaft zeitliche Zwänge wie Arbeitszeiten, Busfahrpläne, Öffnungszeiten oder ähnliches, doch kann man gegen diese in vieler Hinsicht rebellieren.

Vielmehr als noch in Europa erscheinen viele Arbeiter am Wochenbeginn nicht an ihrem Arbeitsplatz, in Mexiko heißt dies San Lunes ("Heiliger Montag"), und ist gesellschaftlich (wenn auch nicht von Unternehmerseite) weithin akzeptiert. Vielleicht ist die Fiesta noch nicht zu Ende, vielleicht möchte man sich vom anstrengenden Wochenende mit Familienfeiern, Picknick und Stierkampf ausruhen. Was ändert das schon, wenn man mal einen Tag nicht zur Arbeit kommt? Was im Augenblick wichtig, besonders interessant oder angenehm ist, sollte man wegen solcher Nebensächlichkeiten nicht unterbrechen. Pünktlichkeit an sich kann doch keine Tugend sein! Und außerdem: Morgen ist auch noch ein Tag.

Tritt im Unternehmen solch eine Situation ein, dass ein Mitarbeiter unentschuldigt nicht zur Arbeit erscheint, wird er meist für vier bis fünf Tage nach Hause geschickt und darf erst die andere Woche wieder an seinem Arbeitsplatz erscheinen. Nun, das hört sich erst einmal nicht so schlimm an, aber für diese Zeit bekommt der Arbeiter keinen Lohn bezahlt, was bei den sowieso sehr geringen Löhnen eine sehr harte Strafe darstellt. In Mexiko gibt es auch kein wie in Deutschland gegen Risiken abgesichertes, staatliches Versicherungssystem. Eine Krankenversicherung haben nur diejenigen und ihre Familie, die in einer staatlichen Einrichtung arbeiten. Die Höhe des Beitrages ist vom Einkommen abhängig. Alle anderen müssen selbst eine Versicherung abschließen, was dem Großteil der Bevölkerung aufgrund der hohen Beiträge nicht möglich ist. Arbeitslosengeld gibt es nicht, sodass man in diesem Fall auf die Familie angewiesen ist. Ebenso gibt es kein Erziehungs- oder Kindergeld.
Überhaupt nimmt die Familie eine sehr hohe Stellung ein. Die Familie wird in Mexiko noch weitgehend traditionell, konservativ verstanden und entsprechend gelebt. An den Familienstrukturen, auch am Bild einer idealen Familie, hat sich seit vielen Jahrhunderten wenig geändert. Selbst die enorme Bevölkerungsexplosion seit Anfang der vierziger Jahre, die gravierenden soziale Veränderungen mit sich brachte, die rapide Industrialisierung, der Ölboom und die rasante Urbanisierung vermochten an der Grundstruktur der mexikanischen Familie nicht zu rütteln. So prägt die Familie den einzelnen Menschen weit mehr, als dies in europäischen Ländern Kindergarten, Schule, und Studienkommilitonen tun. Auch im neuen Jahrtausend leben noch 90 Prozent der Mexikaner in einer Familie, während etwa in der Bundesrepublik Deutschland ca. 50 Prozent aller Haushalte aus Singles bestehen.
Ein weiterer Unterschied ist augenfällig: Während die meisten mitteleuropäischen Familien aus Eltern und ein bis zwei Kindern bestehen, umfasst die typische mexikanische Familie neben Vater, Mutter, Söhnen und Töchtern oftmals auch Neffen und Nichten, Onkel und Tanten, Cousins und Cousine und - zumindest in wohlhabenden Verhältnissen - die verschiedenen Hausangestellten wie Kindermädchen, Gärtner und Dienstmagd.
Die Großfamilie fungiert in Mexiko auch als die wichtigste Wohlfahrtsinstitution, noch vor der Kirche, und gleicht soziale Not aus. Wird ein Familienmitglied arbeitslos, arbeitsunfähig oder krank, kann er sich auf seine Familie (nicht dagegen auf Zahlungen seines Arbeitgebers oder des Staates) verlassen.
Ein weiteres großes Problem in Mexiko ist die hohe Kriminalitätsrate, wobei hier Diebstahldelikte an erster Stelle stehen. Bei A. versucht man diese Geflogenheiten zu unterbinden. Ein großer Stab an Sicherheitspersonal, welcher nicht nur das Gelände überwacht, kontrolliert auch die Beschäftigten bei der Arbeit. Beim Verlassen des Firmengeländes werden von jedem Mitarbeiter die Jacken und Taschen kontrolliert, um etwaigen Diebstählen entgegenzuwirken. Die beiden Chefs stehen immer in engen Kontakt zu ihrem Personal und werden von allen Mitarbeitern geachtet und respektiert. Die Kommunikation zwischen Vorgesetzten und Arbeiter erfolgt aber nicht immer auf einer rein sachlichen Ebene, oft kommt es zu unsachlichen Diskussionen, bei denen das mexikanische Temperament zum Vorschein kommt.

4. Tätigkeitsfelder während de Praktikums
4.1 Erstellen einer Kostenanalyse für die absatzstärksten Produkte

Meine erste Tätigkeit im mexikanischen Unternehmen bestand darin, eine Kostenanalyse für die 40 wichtigsten Produkte zu erstellen. A. verfügt zur Zeit über eine Produktpalette von knapp 1.000 verschiedenen Produkten. Die Firma hatte keine genauen Aufzeichnungen darüber, wie viel die einzelnen Produkte im Herstellungsprozess kosten. Ziel dieses Vorhabens sollte es sein, in Zusammenarbeit mit einem Finanzberater des Unternehmens den notwendigen Umsatz zu ermitteln, bei dem die Firma alle ihre Kosten deckt. In der Literatur wird diese Art von Analyse als Gewinnschwellen- oder Break-Even-Analyse bezeichnet. Bei der Break-Even-Analyse versucht man den Punkt zu ermitteln, bei dem weder Gewinn noch Verlust entsteht, sondern die gesamten Fixkosten und die variablen Kosten gedeckt sind. Eine Überschreitung des Punktes führt zur Gewinnerzielung ein Unterschreiten zu Verlusten.
Nachdem ich mich damit vertraut gemacht hatte, um welche Produkte es sich handelt, habe ich damit begonnen die produktbezogenen Kosten zu ermitteln. Dazu musste jedes der Produkte gewogen werden, um den genauen Materialverbrauch festzustellen zu können. Zur Herstellung der Rohlinge wird das Material in Formen, sogenannte Moulden gespritzt. Bei diesem Prozess kommt es aufgrund verschiedener Einflüsse zu geringfügigen Gewichtsunterschieden zwischen den einzelnen Rohlingen einer Produktreihe, sodass das Gewicht nur als Durchschnittsgröße in die Berechnungen mit einbezogen werden konnte. Um ein fertiges Produkt zu erhalten, bedarf es je nach Materialart einer unterschiedlichen Anzahl von weiteren Arbeitsschritten. Die Herstellung der Produkte aus den Materialien Polyuhrethan RIM und Estruktural ist sehr arbeitsintensiv. Bis zur Fertigstellung wird eine Vielzahl von Materialien und Arbeitsmitteln (Sandpapier, Spachtelmasse, Grundierung, Verdünnung, etc.) verbraucht. Bei den Materialarten Piel Integral und Espuma Flexible sind keine bzw. nur sehr geringe Nacharbeiten notwendig, sodass hier nur sehr geringe Materialverbräuche zu verzeichnen sind. Bei den beiden anderen Materialarten wird nach der Injektion des Materials und der damit verbundenen Herstellung des Rohlings, die Oberfläche mit Sandpapier geschliffen und auftretende Unebenheiten oder Risse im Material mit einer speziellen Spachtelmasse ausgebessert. Danach werden die Stücke mit einer Grundierung lackiert und anschließend nochmals geschliffen und gegebenenfalls ausgebessert. Abschließend erfolgt eine weitere Lackierung mit der Grundierung.

Die einzelnen Arbeitsschritte und die damit verbundenen Materialverbräuche könnten durch eine andere Wahl der Molden verringert werden. Nach dem Erfassen aller direkten Materialkosten mussten noch die indirekten Kosten (Verwaltungsaufwendungen, Energiekosten, Instandsetzungsaufwendungen etc.) zu den direkten Kosten hinzugerechnet werden. Da diese Kosten nicht exakt für jedes einzelne Produkt zu bestimmen sind, wurden die Kosten in Form eines Prozentwertes hinzugerechnet. Nachdem alle Daten erfasst waren, wurde von mir für jedes der zu untersuchenden Produkte eine Art Übersichtsblatt erstellt, indem alle verwendeten Materialverbräuche und die dazugehörigen Kosten aufgelistet sind.

Am Ende der Analyse ergab sich folgendes Bild: In den Bereichen Polyuhrethan RIM und Estruktural wird bei allen Produkten ein sehr guter Deckungsbeitrag erwirtschaftet. Im Bereich von Polyuhrethan Piel Integral und Espuma Flexible werden die entstehenden Kosten nicht immer durch die erzielten Verkaufserlöse gedeckt. Diese Aussage bestätigte die Unternehmensleitung in ihren Gedanken, sich aus dem Geschäft der Produkte für die Möbelindustrie zurückzuziehen und die Sparte der Zubehörteile für die Autoindustrie auszudehnen.

Die so ermittelten, produktbezogenen Aufwendungen des Unternehmens flossen in die Berechnungen des Break-Even-Punktes mit ein. Die gesamten Kosten für die Zweigstelle in Mexiko-City und anderer Unternehmensaufwendungen wurden von Seiten des Finanzberaters berechnet.
Im ersten Halbjahr des Jahres 2000 wurde der gewünschte Wert nicht immer erreicht. Aufgrund der zum Teil sehr schlechten Auftragslage wurden oftmals erhebliche Verluste erwirtschaftet. Im zweiten Halbjahr hat sich die Situation entscheidend gebessert und mit der Einführung des neuen Produktes "Metrolight" konnten erhebliche Umsatzsteigerungen erzielt werden. Das Unternehmen hat für die nächsten Monate ein volles Auftragsbuch. Für die Metro in Mexiko-City sollen 2000 Stück des Produktes gefertigt werden.

(...)

4.4 Mitarbeit am Produktkatalog für 2001

Die Forschungs- und Entwicklungsabteilung ist stets darum bemüht neue Designlinien für neu auf den Markt gekommene Autotypen zu konzipieren. Der Ablauf eines solchen Entwicklungsprozesses ist folgender: A. bekommt von den in Mexiko ansässigen Automobilfirmen, zu denen die Firma im engen Kontakt steht, ein Model zur Verfügung gestellt. In den meisten Fällen werden die Autos dem Unternehmen für diese Zeit kostenlos überlassen. Die Designabteilung unter Anleitung eines der Firmenchefs beginnt nun mit der Arbeit am Auto. Die Arbeit an einem Prototyp dauert je nach Umfang der Modifikationen zwischen 8 und 10 Wochen. Nach Fertigstellung des Spoilersatzes beginnt die Feinarbeit, wo die Teile an den Wagen angepasst und lackiert werden. Ist der Wagen fertiggestellt wird es dem jeweiligen Automobilunternehmen präsentiert. Bevor nun mit der Herstellung der Moulden begonnen wird, werden die Autos für den Farbprospekt fotografiert. Dazu wird eigens für jedes Auto eine geeignete Umgebung ausgesucht, wo der Wagen aus allen Blickwinkeln fotografiert wird. Zu diesem Zweck wird kein teurer Fotograf engagiert, da die Firma über eine professionelle Fotoausstattung mit Digitalkamera und Bildbearbeitungssoftware am Computer verfügt. Nach einer gründlichen Auswahl der Fotos werden diese an eine Agentur geschickt, die den Prospekt druckt.

Während meines Aufenthaltes in der Firma hatte ich die Gelegenheit an einer Fotoaktion für die neuen Aero-Kit`s, der in Mexiko hergestellten Nissan Senta GTR und Golf A4 teilzunehmen. Die dort gemachten Aufnahmen wurden ebenfalls für die Gestaltung der Internetseite verwendet.

5. Schlussbetrachtung

Mit meinem Praktikum in Mexiko verbinde ich nur positive Erinnerungen. Die Lebensart der Mexikaner kennen zulernen war für mich eine völlig neue Erfahrung. Zu Beginn gab es noch ein paar sprachliche Barrieren, aber mit viel Zeit und Geduld auf beiden Seiten hat die Verständigung doch prima geklappt. Das Arbeitsklima war hervorragend, sehr leger und locker, es blieb immer Zeit für einen kleinen Plausch mit den Arbeitskollegen. Bei A. ist man es gewohnt mit ausländischen, vor allem deutschen Studenten zusammenzuarbeiten. Man weiß, dass das Bildungsniveau in Deutschland noch höher ist als im eigenen Land und arbeitet deshalb sehr gern mit deutschen Studenten zusammen und tritt Anregungen sehr aufgeschlossen gegenüber. Auch nach meinem Praktikum stehe ich noch in Kontakt zu einigen Mitarbeitern und den Chefs. In meiner Zeit in Mexiko habe nicht nur sehr viel Spanisch gelernt, sondern habe bereits erworbenes Wissen anwenden können und sehr viel Neues dazugelernt. Vor allem aber habe ich erlebt, dass auch entspanntes Arbeiten zum Ziel führt, auch wenn es manchmal etwas länger dauert.

Ich habe meine Entscheidung, ein Praktikum in einem weniger hochentwickelten Land wie Mexiko zu absolvieren nicht bereut und kann es nur weiterempfehlen. Die Zeit in Mexiko hat mir sehr viel Positives gegeben.

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