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Praktikumsberichte Institut fuer erneuerbare Energien
Praktikumsbericht von M. Punzet, Oktober 1999
An die Gründe, die mich Anfang Oktober nach Mexiko entführten, kann ich mich zwar nicht mehr so gut erinnern, aber alle idealistischen Ziele, Ideen, Wunschträume, denen man in Deutschland noch nachhängt, lösen sich schnell in der realen mexikanischen Arbeitswelt ins Nichts auf. Die beste Möglichkeit sich vor den Enttäuschungen zu schützen, ist ohne konkrete Erwartungen in dieses Land einzureisen. Aber mal im Ernst: Die Motivation, die mich in dieses Land führte, bestand in erster Linie darin, ein selbstständiges Projekt zu führen und nebenbei natürlich auch meine Spanischkenntnisse zu verbessern. Da ich wusste, dass das Institut auf internationalem Niveau arbeitet und angewandte Forschung, sprich Projektarbeit betreibt, erschien mir dieses Institut geeignet, um meine Ziele realisieren zu können...
Das Institut wurde am 1. November 1975 durch die mexikanische Regierung gegründet mit dem Ziel, eine öffentliche dezentrale Einrichtung mit wissenschaftlich-technischem Charakter zu schaffen. Die Tätigkeiten bestehen in erster Linie in der Ausführung von Projekten im Bereich angewandter Forschung und technischer Entwicklung für die beiden staatlichen Energieversorger CFE (Comisiónn Federal de Electricidad) und LyFC (Luz y Fuerza del Centro) sowie für die mexikanische elektrische Industrie und PEMEX.
Das Institut befindet sich am Stadtrand von Cuernavaca. Zu erreichen vom Zentrum mit der Ruta Nr. 1 (Endhaltestelle Guacamayas), der 14 und 18 für zur Zeit 3,50 Pesos.
Im Institut arbeiten im Moment 500 spezialisierte Wissenschaftler in den Bereichen Generation, Transmission, Distribution und Anwendung elektrischer Energie. Die Forschungsergebnisse haben den Anforderungen der Richtlinie "lineas de investigación y desarrollo tecnológico" zu entsprechen. Diese 33 Richtlinien sollen die Basis dafür legen, dass ein Qualitätsziel, das durch den Kunden, hier Papa Staat, vorgegeben ist, erreicht wird. Das Institut ist gegliedert in 6 Divisionen, jede Division besteht aus mehreren Einheiten. Beisiel:
Division Energías Alternas
Unidad de Geotermia
Unidad de Energias no convencionales (UENC)
Unidad de Energía Nuclear
Unidad Materiales y Procesos Químicos
Sistemas de Calidad, Ambiente y Seguridad
Unidad de Energías no convencionales
Wie der Name wohl schon etwas andeutet, beschäftigt sich UENC seit seiner Gründung 1979 mit orientierter Forschung im Bereich regenerativer Energie sowie Lösungsansätzen von Teilproblemen bei deren Anwendung. Hier arbeiten vorwiegend Wissenschaftler aus den Bereichenn Elektrotechnik, Physik, Geografie und Ökonomie. Die Hauptaufgaben bestehen aus:
- Forschung und technische Entwicklung über die Anwendung von regenerativen Energiequellen
- Fördern der Nutzung und Anwendung durch Pilotprojekte und Technologie Transfer
- Evaluation des verfügbaren Potentials und Monitoring von Projekten
- Unterstützung der Industrie bei der Wahl geeigneter technischer Ausrüstung
Zur Zeit existieren 9 laufende Projekte, von denen sechs durch den Energieminister gefördert werden. Diese belaufen sich in der Regel auf mehrere Jahre. Die Mehrzahl der Projekte besteht aus der Installation von PV-Anlagen im Inselbetrieb.
Arbeiten im Institut
Das Arbeiten hier im Institut ist schon eine angenehme Sache. Das Institutsgebäude ist grosszügig angelegt und die Bürogebäude finden sich versteckt in einer teils parkähnlichen Landschaft. Die Arbeit beginnt gegen neun Uhr morgens bis sechs Uhr abends mit einer zwei bis dreistündigen Mittagspause gegen 13:00 Uhr. Das ist zumindest die Theorie, denn Wissenschaftler haben hier im Institut keine festen Arbeitszeiten, man kann also kommen und gehen wann man will, unter der Voraussetzung, dass das zu bearbeitende Projekt innerhalb einer vorgegebenen Frist in seiner entsprechenden Form vorliegt. Sein Mittagessen kann man hier m Institut zu sich nehmen oder in einem der vielen kleinen Restaurants ausserhalb des Betriebsgeländes. Es gibt Comida Corrida für 15 - 25 Pesos. Das Arbeitsklima ist hervorragend, sehr leger und locker. Es bleibt immer die Zeit für einen kleinen Plausch mit seinen Kollegen. Man ist gewohnt, mit ausländischen Studenten, vor allem deutsche Studenten, zusammenzurbeiten. Es wird für jeden Praktikanten ein Computer zur Verfügung gestellt mit freiem Internetzugang und E-Mail (am einfachsten einen freien Provider wählen oder aber eine institutseigene Adresse einrichten lassen). Gute Spanisch- und Computerkenntnisse erleichtern die Arbeit ungemein.
Charakteristica meiner Praktikumsstelle
Ich arbeite zusammen mit vier mexikanischen Kollegen in dem Regierungsprojekt "Entwicklung eines Geo-Informationssystems (GIS) zur Evaluierung des regenerativen Energiepotentials in Mexiko". Das Projekt besteht aus drei Phasen, von denen die ersten beiden Ende diesen Jahres abgeschlossen werden sollen, sprich die Evaluierung des Potentials in ausgewählten Regionen in Mexiko. Daneben gilt es, ein GIS derart zu gestalten, dass die Anwendung und Modifikation der bei der Evaluierung gewonnenen Daten ermöglicht, ohne Vorkenntnisse im Bereich Geo-Informatik zu besitzen. Meine Arbeit im Institut besteht aus zwei Abschnitten, zum einen ein GIS (in diesem Fall ARCview und ARCinfo) zu gestalten und mit den notwendigen Tools auszurüsten, um die gewünschten Ziele zu erreichen sowie die vorhandenen Daten im Bereich Windenergie in das System einzuarbeiten. Zum anderen ein Modell zu entwickeln, das Wasserkraftpotential speziell klein-skaliger Wasserkraftanlagen in unbeobachteten Fluss-Einzugsgebieten zu schätzen. Das gewählte Modell ist ein hydrologisches Modell basierend auf hydrologischer Statistik und Analyse der bestehenden Fliessgewässercharakteristik. Zur Realisierung dieses Modells habe ich die Programme Excel, Estadística der Firma StatSOFT, ARCview und ARCinfo gewählt.
Schlusswort
Ich kann aus meiner Sicht nur ein Praktikum an dieser Einrichtung (bzw. ich kann nur für diese Unidad sprechen) empfehlen. Man kann nicht nur sehr viel Spanisch lernen, auch wenn es sich fast nur um Umgangsspanisch, Witze und Redewendungen handelt, sondern auch sehr viel Fachliches dazulernen und vor allem man kann erleben, dass auch entspanntes Arbeiten zum Ziel führt. Es dauert vielleicht manchmal etwas länger, aber... ni modo. Daneben hat man auch die Möglichkeit, sein Wissen fachlich anzuwenden und auch an seine Kollegen weiterzugeben. Man weiss, dass das Bildungsniveau in Deutschland noch höher ist als im eigenen Land und importiert und konsultiert deshalb mal ganz gerne deutsche Studenten.
Praktik umsbericht K. Hoffmann, Zeitraum Mai 2000 bis Februar 2001)
Ich arbeitete 10 Monate (Mai 2000 - Februar 2001) im Insitut und fühlte mich in dieser Zeit recht wohl dort.
Das Institut nimmt ein großes Gebiet mit mehreren Gebäuden ein und hat wunderschön gepflegte Gärten. Es ist in verschiedene Abteilungen gegliedert, von denen jede mindestens ein Gebiet der Elektrotechnik oder Elektronik abdeckt. Im Moment hat das Institut Fénix mit 2 Abteilungen Kontakte.
In der Abteilung für "Regenerative Energien" war ich 6 Monate beschäftigt, in der für "Steuerung und Instrumentierung" 4 Monate. Generell gibt es im Institut viele ausländische Beschäftigte, Praktikanten oder Diplomanden, so daß ich als deutsche Praktikantin nicht weiter auffiel. Einige der Ingenieure waren sogar schon in Deutschland beschäftigt und deshalb sehr gesprächsfreudig, was dieses Thema angeht.
Gleich zu Anfang wurde ich jedem Mitarbeiter der Abteilung "Regenerative Energien" persönlich vorgestellt und führte mit jedem Einzelnen ein Gespräch. Somit fand ich schnell einen Überblick über die Tätigkeiten der dort arbeitenden Forscher. Schwerpunkt dieser Abteilung ist die Sonnen- und Windenergie, die in Mexiko noch in den Anfängen steckt. Allerdings gibt es auch schon viele realisierte Projekte.
Da ich Studentin der Medientechnologie bin und das eine Abwandlung und Spezialisierung der Elektrotechnik ist, hatte ich mir erhofft, in einem elektrischtechnisch oder elektronischen Gebiet tätig zu sein. Der Chef Dr. Huacuz hatte leider eine andere Vorstellung von meinem Studium und überließ mir größtenteils Aufgaben der Werbung und Publizierung. Somit war ich die nächsten 6 Monate mit folgenden Aufgaben beschäftigt:
- ein digitales Fotoarchiv für alle vorhandenen Fotos der Abteilung zu erstellen
- die Internetseiten neu zu gestalten
- einen Werbefilm über ein Sonnen- Wind- Energieprojekt im Bundeßtaat Hidalgo zu drehen
- Simulation des gleichen Projektes mit Hilfe der Software "Hybrid2"
- Berater für alle multimedialen Angelegenheiten
Ich arbeitete in einem ziemlich ruhig gelegenen Gebäude, in welchem nur 4 Forscher tätig sind. Dort teilte ich mir das Büro mit Roberto Flores, hatte meinen eigenen Schreibtisch mit Computer und ständigen Internetzugang.
Anfangs bin ich kaum zum Arbeiten gekommen, da sich ständig irgendwelche Mitarbeiter (vor allem Boten und Putzmänner) einfanden, um ein Plauderstündchen zu halten. So wurde ich auch sehr schnell mit dem typisch mexikanischen Macho vertraut. Später begann ich auch nebenbei inoffiziell Deutschstunden in meinem Büro zu geben, was sich für mich als eine sehr interessante Abwechslung darstellte.
Die Arbeitszeiten im Institut werden für die Forscher sehr locker gehalten, so daß es eigentlich niemanden so recht interessierte, um welche Uhrzeit ich gekommen, gegangen und ob ich überhaupt erschienen bin. Hauptsache ich war dann am Ende der 6 Monate mit meinen Aufgaben fertig.
Die Arbeit mit dem Fotoarchiv und den Webseiten war etwas langweilig, weil ich nicht wirklich viel Neues dazulernen konnte. Aufregender gestaltete sich jedoch der Werbefilm, denn so hatte ich die Möglichkeit mehrfach mit 2 Ingenieuren nach Pachuca im Bundesstaat Hidalgo zu fahren. Auch die Nachbearbeitung, sprich Schneiden und Vertonen, fand ich sehr interessant. Da es dafür im Institut keine professionelle Ausrüstung gab, mußte man etwas erfindungsreich sein, um einen einigermaßen ordentlichen Film auf die Beine zu stellen. Es bedurfte auch einer großen Menge an Engagement und Geduld, um die dafür nötige Ausrüstung zur Verfügung gestellt zu bekommen.
In diesen 6 Monaten fiel mir auf, daß das Institut für seine Mitarbeiter sehr gut durchstrukturiert ist. Es gibt z.B. innerhalb des Institutes 3 verschiedene Orte an denen man preiswert und typisch mexikanisch Mittagessen kann, zahlreiche Sportangebote, gemeinsame Abteilungsessen und einmal in der Woche einen recht aktuellen Kinofilm. Desweiteren fiel mir auf, daß die Mehrzahl der Ingenieure mit viel Motivation an ihre Arbeit herangehen und ständig mit Projekten überhäuft sind.
Ich kann nicht behaupten, daß dieses 6-monatiges Praktikum erfolgreich für mein Studium war, auch wenn ich alle gewünschten Aufgaben erfolgreich beendet habe. Diese Abteilung entsprach einfach nicht meiner Studienrichtung und deswegen war es schwer, für mich geeignete Aufgaben zu finden. Ich denke aber, daß ein Student der Energietechnik dort sehr gut aufgehoben wäre und dort ein für sich passendes Projekt heraussuchen und bewerkstelligen könnte.
Nach 6 Monaten knüpfte ich dann Kontakte mit der Abteilung "Steuerung und Instrumentierung". Dort beschäftigt man sich hauptsächlich mit dem Gebiet der Elektronik und der Entwicklung von technischen Meßgeräten.
Der dortige Projektchef Ing. Gilberto Vidrio hörte sich mit viel Interesse die Inhalte meines Studiums an (im Gegensatz zum Vorherigen) und übergab mir ein kleines Projekt. Dieses beinhaltete, die Entfernung einer drahtlosen Datenübertragung zwischen einem Stromzähler und einem Laptop von 100 m auf 500 m zu vergrößern. Das hörte sich diesmal alles sehr interessant und anspruchsvoll an. Also machte ich mich an die Arbeit, las viele Dokumente, recherchierte im Internet und war dann nach einigen Wochen soweit, die nötigen Bauteile für die Konstruktion der von mir ausgewählten elektronischen Leiterplatte zu bestellen.
Allerdings stellte sich dies als die schwierigste Hürde dar und das ganze Projekt scheiterte daran. Es fand sich nämlich keine Firma innerhalb Mexikos, die mir diese seltenen Bauteile in geringer Anzahl beschaffen konnten. Da mir aber auch niemand eine direkte Absage erteilte, war ich bis zum Schluß voller Hoffnung, daß ich eines Tages eine positive Bestätigung via E-mail bekomme.
In der restlichen Zeit mußte ich dann ständig nachfragen, ob man mir denn nicht eine andere anspruchsvolle Arbeit geben könnte, solange bis die bestellten Bauteile ankommen. Ich war dann ca. 2 Wochen in der Abteilungswerkstatt beschäftigt und lernte dort, wie man Leiterplatten nach Schaltplan zusammenlötet. Mein kleines eigenes Werk war dann eine Klingel. Danach war ich wieder auf Arbeitssuche.
Ich wollte mich etwas mehr mit der Programmierung von Mikroprozessoren vertraut machen und bekam deswegen 2 kleine Aufgaben, die ich mit Hilfe der Assembler-Programmierung lösen und simulieren konnte. Damit war ich dann auch recht schnell fertig und ich kam mir schon ein wenig komisch vor, als ich dann wieder mal um Arbeit bitten mußte.
Meine letzte Arbeit bestand dann darin, ein paar Meßreihen an einem im Institut entwickelten Strommeßgerät durchzuführen.
Ich war zwar im Endeffekt zufrieden, daß ich im jeden Bereich, der mich interessierte, mehr oder weniger mitwirken durfte, trotzdem fühlte ich mich die ganze Zeit mehr als eine Last als eine Hilfe. Das lag auch zum Teil daran, daß ich in der Praxis noch nicht so viele Erfahrung hatte und mir noch viele Sachen erklären lassen mußte. Leider hatten die dort beschäftigten Ingenieure so viel zu tun, daß sie kaum die Geduld fanden, mir Einzelheiten zu erklären. Mein Chef Ing. Vidrio zeigte mir dann auch zum Ende hin deutlich, daß ich keine große Hilfe darstelle, zwecks fehlender Erfahrung.
Der Kontakt mit den Kollegen dieser Abteilung war nicht ganz so freundschaftlich wie in der vorigen. Bis zum Schluß kannte ich nur wenige Mitarbeiter beim Namen und es blieb mit allem beim förmlichen "Sie". Es störte mich auch ein wenig, daß man mir außer dem Projekt, keine andere handfeste Aufgabe geben konnte, und wenn, dann nur nach 10maligem Nachfragen. Deswegen verbrachte ich dann auch viel Zeit mit Nichtstun.
Allerdings hat mir dieses Praktikum auf jeden Fall für mein elektronisches Fachwissen gedient und bin deshalb im Großen und Ganzen nicht völlig enttäuscht.
Cuernavaca, 26. Februar 2001
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