|
Praktikumsberichte Staatliche Institution zur Familienfoerderung
Dieser Bericht stammt von Tanja S., vom 31.05.04 - 02.07.04
Als Psychologiestudentin hatte man mir die Stelle beim DIF besorgt mit der Voraussicht , mit Psychologen und Sozialarbeitern zusammenarbeiten zu koennen und sich primaer um die Strassenkinder und deren Reintegration in ihre Familien zu kuemmern . Die Voraussetzungen hoerten sich sehr vielversprechend an , da mehrere Psychologen in der Institution arbeiten . Es stellte sich allerdings heraus , dass ich mit diesen keinen Kontakt haben sollte . Vielmehr war meine hauptsaechliche Kontaktperson eine Sozialarbeiterin, die nur zweimal pro Woche fuer einige Stunden in die betreffenden Gebiete ging. In dieser Zeit lernte ich dann einige interessante und erschreckende Seiten der dortigen Armut kennen. Achtjaehrige Kinder, die am Zocalo leben, ohne Essen und Familie, Slumviertel Cuernavacas, wo die Menschen in unglaublicher Armut und Unsauberkeit leben. Einige Male war es auch meine Aufgabe, mit den dort lebenden Kindern eine Art Workshop abzuhalten, welcher darin bestand, mit ihnen eine Geschichte zu lesen und anschliessend zu malen oder zu basteln. Haeufig war es allerdings so, dass ich aufrund mangelnder Aufgaben oder Beschaeftigung im Buero sitzend die Zeit mit Warten verbrachte. Weiterhin war ich oft dabei, wenn Essenspakete an die beduerftige Bevoelkerung ausgegeben wurden oder Familien in ihren Haeusern (oder bessergesagt: Blechhuetten) besucht wurden, um die Notwenigkeit von staatlicher Unterstuetzung in Form von z.B. Welchblech fuer ihre Daecher zu pruefen. Diese Beschaeftigungen hatten aber nichts mit den Inhalten meines Studiums zu tun, so dass ich diesen Aufenthalt nicht als Praktikum anrechnenen lassen kann.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich durch meinen Aufenthalt im DIF einen Einblick in eine Welt bekommen habe, die man als Tourist oder Student in dieser Form nicht erfaehrt. Allerdings habe ich keinen Einblick in die Arbeit eines Psychologen bekommen, aufgrunddessen ich nach 5 Wochen die Arbeitsstelle gewechselt habe .
Ich hatte mehrmals angefragt, ob es nicht moeglich sei, den Psychologen bei ihrer Arbeit zuzuschauen, d.h . als passiver Beobachter bei den Therapiesitzungen teilzunehmen. Leider war die Antwort "nein", da die Privatsphaere der Patienten respektiert werden muesse. Allderings kann ich nicht ganz verstehen, warum dies von Vornherein ausgeschlossen wurde, ohne die betreffenden Personen ueberhaupt um ihr Einverstaendnis gebeten zu haben. (Dass diese naemlich trotz der verbreiteten Annahme, ein Psychologe sei etwas fuer "locos" keineswegs generelle Ablehnug gegen die Praesenz einer dritten -auslaendischen- Person zeigen, habe ich dann bei meiner zweiten Praktikumsstelle erfahren).
Ich kann nicht sagen, ob diese mangelnde Kommunikation bezueglich meines Aufgabenbereiches von Seiten der Schule zustande gekommen ist , oder ob die zustaendigen Personen im DIF falsche Informationen herausgegeben haben. Ich kann mir vorstellen, dass diese Probleme u.a. wegen der Kuerze meines Aufenthaltes (geplant waren 6-8 Wochen) zustande kamen. Praktikanten, die ein halbes Jahr oder laenger dort bleiben, haben moeglicherweise bessere Chancen, in dem entsprechenden Gebiet Erfahrungen zu sammlen und dort integriert zu werden. Abschliessend moechte ich noch anmerken, dass alle dort arbeitenden Personen mich sehr freundlich , interessiert und um mein Wohlergehen bemueht aufgenommen haben, nur leider konnte das die "von oben festgelegten Regularien", die sich in diesem Fall zu meinem Nachteil ausgewirkt haben, nicht kompensieren, so dass ich die Stelle gewechselt habe, wo ich grundlegend andere Erfahrungen gemacht habe.
Zurueck zu den Praktikantenberichten
|