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Praktikumsberichte Filmfoerderung
Praktikumsbericht von S. Weigl, Zeitraum: 1.6. - 30.9.2000
Ganz allgemein ist die Institution C.eine in der Bundesstaatsregierung von Morelos, genauer gesagt im Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung, angesiedelte Einrichtung, die dafür zuständig ist, Produzenten, die ihr Filmprojekt in Morelos durchführen wollen, in allen Belangen zu unterstützen.
Dies beinhaltet vor allem die Suche nach geeigneten Drehorten (meist nach den vorher geäußerten Wünschen der Produktionsfirmen), die Organisation von Castings für benötigte Statisten, die Beschaffung von Dreherlaubnissen, besonderer Sicherheitsvorkehrungen oder dergleichen. Desweiteren wird die laufende Produktion manchmal durch einen Mitarbeiter betreut.
Die interne Organisation von C. stellt sich folgendermaßen dar:
Leiterin der Organisation ist Luciana Cabarga. Sie ist eine sehr nette ältere Dame, die aufgrund dessen daß zumindest ein Elternteil Deutscher ist absolut fließend Deutsch spricht. Luci ist aber in ihrem Büro nicht besonders oft anzutreffen, weil sie sehr viel unterwegs ist (ich habe sie in 4 Monaten vielleicht 7 Mal gesehen). Mit ihr hat man also nicht so wirklich viel Kontakt.
Die Vizedirektorin ist Sr. Alicia Castillo Duems. Sie ist zugleich auch die Kontaktperson für alle Praktikanten. Sie ist auch sehr sehr nett, was ausnahmslos auf alle Mitarbeiter von C. zutrifft. Auch sie spricht relativ gut Deutsch, weil ihr Ehemann deutsche Großeltern hat. Chefin der Produktion ist Gaby Portillo. Auch von ihr bekommen die Praktikanten manchmal Aufgaben zugeteilt oder begleiten sie auf die Suche nach "Locations".
Mitarbeiterin der Produktion ist Diana Medina, eine noch relativ junge Kollegin mit der sich die Praktikanten das Büro teilen. Sie ist superlustig und auch ganz besonders nett. Zu ihr hat man im Normalfall als Praktikant den meisten Kontakt. Neben den bereits aufgezählten Personen gibt es noch einen Chauffeur, einen Telefonisten, eine Sekretärin, eine Putzfrau und zwei Herren von Sicherheitsdienst. Mehr arbeiten bei C. nicht. Die Titel "Direktorin", "Subdirektorin" und "Chefin der Produktion" sind daher eigentlich leicht verwirrend weil unter all diesen "Chefs" niemand mehr arbeitet.
Zu der Zeit, als ich Praktikum bei Cinematografia gemacht habe, waren wir zwei deutsche Praktikanten. Dies war viel zu viel. Wie man aus obiger Aufzählung ja bereits entnehmen kann arbeiten nicht wirklich viele Personen bei Cinematografia und vor allem sind es noch weniger, die Aufgaben für die Praktikanten haben (meistens kommen diese von Diana, manchmal auch von Alicia und ganz selten von Gaby). Viele der Aufgaben die man daher bekommt, falls überhaupt etwas zu tun ist, muten daher eher als reine Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen an (z. B. ein sog. "ficha technica" mit dem PC oder der Maschine zu schreiben, das vorher schon jemand mit der Hand geschrieben hat).
Bevor ich nach Mexiko ging hatte ich eigentlich sehr illusorische Vorstellungen was mein Praktikum anging, nicht zuletzt hervorgerufen durch den himmelhochjauchzenden Praktikumsbericht meines Vorgängers. Die Realität sah dann leider etwas anders aus.
Das Hauptproblem bei einem Praktikum bei C. ist meiner Meinung nach daß man einfach von völlig falschen Tatsachen ausgeht, was dort zu tun ist. C. ist nämlich eben gerade keine Filmproduktionsfirma oder dergleichen, das heißt sie haben wirklich nur peripher mit Filmproduktionen an sich zu tun. Die Hauptarbeit (vor allem die für Praktikanten) besteht ausschließlich in administrativer Arbeit.
Auch die Drehortsuche läuft in Wirklichkeit etwas anders ab als man es sich wohl vorstellt. Morelos ist ein nicht besonders großer Bundesstaat und C. gibt es schon relativ lange, daher ist es nur logisch daß bereits ein sehr sehr umfangreiches Fotoarchiv besteht. Oft werden daher die Drehorte einfach nur anhand der vorliegenden Fotos ausgewählt und den jeweiligen Verantwortlichen alternativ vorgestellt. Die Entscheidung welcher Drehort genommen wird, obliegt sowieso ausschließlich den Produktionsfirmen.
Auch die Organisation von Castings ist nicht so spannend wie man sich das wohl vorstellt. Es läuft einfach so ab, daß aus der vorhandenen Statistenkartei nach von der Produktionsfirma vorgegebenen Kriterien so viele Teilnehmer wie möglich ausgesucht werden (z. B. alle 20-30 jährigen mit heller Haut) und diese dann alle zuhause angerufen werden um sie zum Casting einzuladen. Diese Anrufe sind oft die Aufgabe der Praktikanten, welche wirklich nicht so richtig spannend ist, weil man ca. hundertmal das gleiche sagen muß, falls mal endlich jemand hingeht oder ständig irgendwelche Leute auf seiner Liste durchstreichen muß weil die entsprechenden nicht mehr dort wohnen oder was auch immer.
Bei den Castings selbst (die oft auf dem Gelände von C. stattfinden) hat man dann nicht mehr wirklich was zu tun, da dies die Produktionsfirmen wiederum normalerweise selbst machen. Man hat allerdings immer die Möglichkeit auch selbst bei den Castings teilzunehmen und auf diese Weise dann doch das eigentlich Interessante, nämlich die Produktion mitzuerleben.
Bei den Castings wird normalerweise auch immer noch die Statistenkartei von Cinematografia erneuert, was bedeutet daß man zumindest recht wichtig tun kann und Fotos von allen Anwesenden machen kann, die noch nicht in der Kartei vorhanden sind.
Die weiteren Aufgaben die ein Praktikant bei C. noch so hat, haben meistens immer irgendwas mit dem Fotoarchiv zu tun (zumindest war es bei uns so). Hauptsächlich ist man dafür zuständig neue Etiketten für neue Fotos zu tippen und diese dann auf die Fotos aufzukleben und diese dann nachdem man einen entsprechenden Folder gebastelt hat in das Archiv abzulegen. Auch nicht wirklich besonders spannend. Manchmal kann man allerdings auch ausgewählte Fotos scannen und per Email an den jeweiligen location-scout der Produktionsfirmen schicken. Das gehört leider zu den interessantesten Aufgaben die ich in meinem Praktikum so zu absolvieren hatte.
Manchmal muß man aber auch nur irgendwelche Rechnungen in den PC eingeben, Altersangaben der Statisten auf den neusten Stand bringen, irgendwelche Landkarten auf Powerpoint erstellen oder eben einfach nur Zeitung lesen oder sich unterhalten, wie auch immer.
Was dabei teilweise ein Problem war ist daß zu meiner Praktikumszeit ja immer zwei unterbeschäftigte Deutsche da waren, so daß man sich natürlich dann auch noch dazu immer deutsch unterhalten hat. Das heißt, man konnte in dieser Zeit noch nicht mal etwas für sein Spanisch tun.
Wenn man allerdings mal das Büro verlassen durfte um auf Produktionen oder besagte Scoutings zu fahren, wurde es dagegen wesentlich interessanter. Man hatte zwar dabei meistens keine besondere Aufgabe, außer Danebenstehen oder mal ein paar Fotos machen, aber man konnte zumindest beim Drehen zuschauen und Landschaften und Häuser oder Haciendas oder was auch immer kennenlernen die man als Normaltourist bestimmt nicht zu Gesicht bekommt.
Aber das war leider nicht die Regel. Ich beispielsweise war (abgesehen von Statistenrollen) in den 4 Monaten ca. 2 mal beim Scouting und 4 mal auf einer Produktion (2 Werbespots und 2 Telenovelas).
Eine sehr positive Seite am Praktikum bei C. ist aber die Atmosphäre, die dort herrscht. Die Mitarbeiter sind alle unwahrscheinlich freundlich, nett und herzlich. Man kann mit ihnen sehr schnell Freundschaften schließen und hat nie das Gefühl nicht irgendwie gleichartiger Mitarbeiter zu sein. Zum Abschied haben sie auch bei jedem von uns ein Fest organisiert und sich auch vorher immer sehr interessiert gezeigt und auch immer geholfen wenn es mal etwas zu helfen gab.
Als Fazit ist daher festzustellen, daß ich die Arbeit an sich nicht wirklich vermisse (da es einfach oft gar keine Arbeit gab), meine Kollegen daher schon!
Ob ich das Praktikum empfehlen würde, kann ich leider nicht sagen, denn das muß jeder selbst wissen, wieviel er letztendlich auch aus dem Praktikum mitnehmen möchte. Da ich das Praktikum eigentlich hauptsächlich deswegen gemacht habe, um Spanisch zu lernen und es nicht für die Uni oder sowas gebraucht habe und es bei mir darüber hinaus auch noch fachfremd war, hat es bei mir trotz aller Langeweile seinen Zweck erfüllt. Ich hatte sehr viel Spaß und war einfach gerne dort. Da ich mich mit meinen Kolleginnen sehr gut verstand, habe ich auch viel Spanisch geredet, in und außerhalb der Arbeitszeit. Und einen Eindruck von der Arbeitsweise, vor allem auch der Einstellung der Mexikaner zur Arbeit habe ich auch bekommen.
Abschließend möchte ich den Bericht mit meinen sonstigen Eindrücken, die mit dem Praktikum an sich nicht soviel zu tun haben.
Mein halbes Jahr in Mittelamerika war ein sehr sehr schöne Zeit, die sich auf jeden Fall in allen Belangen gelohnt hat. Cuernavaca ist zwar wohl nicht die typischste Stadt Mexikos aber dennoch kann man Ecken finden wo man sich wirklich noch so fühlt als ob man so richtig in Mexiko ist (und nicht in "Klein-USA"). Und auch wenn man fürchterlich vielen Ausländern begegnet findet man auch mexikanische Freunde die einem aufzeigen was Mexiko eigentlich alles zu bieten hat und das sind teilweise wirklich sehr beeindruckende Dinge.
Und natürlich nicht zu vergessen: das Essen... schon allein um dieses wirklich kennenzulernen sollte man eine längere Zeit in Mexiko verbringen, denn die Mexikaner haben in meinen Augen eine der besten Eßkulturen der ganzen Welt.
Was ich aus diesem halben Jahr mitgenommen habe ist vor allem eine Sprache von der ich vor einem halben Jahr noch kein Wort konnte, der Salsa und Cumbia, von denen ich vor einem halben Jahr noch keinen blassen Schimmer hatte, viele neue Erfahrungen, ein leicht geänderte Einstellung zur Wichtigkeit mancher Dinge und viele neue Freunde in vielen Teilen der Welt.
Euch von Fenix möchte ich noch für die Organisation danken, denn es ist wirklich alles äußerst unkompliziert verlaufen, so daß es einem sehr leicht gemacht wird den Schritt zu einem Auslandspraktikum in einem "nicht so entwickelten" Land zu wagen.
Viele liebe Grüße
S. Weigl
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