Fenix Language Institute in Cuernavaca - Mexiko. Spanisch Sprachschule und Praktikum.


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Institut fuer Kunst und Kultur

Bericht: Michael K. schreibt über sein Praktikum vom 23.08.-01.10.1999:

"Während meines Praktikums im Institut *. in Cuernavaca habe ich vor allem mit der Grupo de Danza Contemporánea der Choreographin Patricia Palman zusammengearbeitet. Außerdem konnte ich an der Arbeit von Mary Blunno teilhaben, Expertin für das Teatro Campesino .

Vor Beginn meines Praktikums waren meine eigentlichen Aufgaben und Möglichkeiten mich zu engagieren noch recht unklar. In den ersten Tagen, nach einem Gespräch mit dem Direktor des Instituts (...) ergaben sich dann folgende Möglichkeiten: Neben der Zusammenarbeit mit der Tanzgruppe und mit Frau Blunno, Teilnahme an Kursen im Centro *. (einer Art Volkshochschule mit Schwerpunkt auf Musik, Tanz, Theater und Bildender Kunst) und einer Studententheatergruppe der Universität.

Am spannendsten erschien mir dabei die Arbeit von Frau Blunno. Sie arbeitet im Kulturinstitut, erforscht und dokumentiert die Traditionen des Teatro Campesino im Bundesstaat Morelos und hat Kontakte zu den Ausführenden. Dabei handelt es sich um Tänze oder andere Darstellungsformen mit langer Tradition, die zu religiösen Festtagen oder historischen Ereignissen aufgeführt werden. Sie plant ein Buch darüber herauszubringen. Da zur Zeit meines Aufenthalts gerade Regenzeit war, gab es leider nur sehr wenige Aufführungen zu sehen. Die meisten Ereignisse finden während der Zeit von November bis März statt und besonders während der Semana Santa. So konnte ich leider nur bei einem Spektakel zuschauen, das allerdings sehr eindrucksvoll war: Simulacro de la toma de la alhondiga de granaditas.

Die Aufführung findet am 16. September statt, dem Nationalfeiertag der mexikanischen Unabhängigkeit und behandelt eben dieses Thema: Die Schlacht der Mexikaner gegen die Spanier um die Alhondiga in Guanajuato während des Unabhängigkeitskrieges. Ort der Veranstaltung ist Tetelpa, ein Dorf in der Nähe von Zacatepec, mit dem Bus ca. 1 ½ Stunden entfernt von Cuernavaca. Vor der Aufführung konnte ich mit einigen der Mitwirkenden reden und beim Aufbau der wenigen benötigten Dinge auf einer Wiese am Dorfrand zuschauen. Die Aufführung findet laut Informationen der Ausführenden seit 80 Jahren statt. Es nehmen 65 Personen teil, geprobt wurde einen Monat unter der Regie von Pablo Zavala, einem Dorfeinwohner. Dennoch wirkte alles sehr improvisiert und beinah wie zum ersten Mal vorgeführt, was die Intensität der Darstellung jedoch kaum beeinträchtigte.

Dargestellt wird das Erstürmen der Alhondiga durch die Mexikaner in mehreren Angriffen. Neben den beiden Hauptgruppen Mexikaner und Spanier wirken verschiedene Personen der mexikanischen Geschichte mit, historische Persönlichkeiten wie der Priester Hidalgo, der Hauptmann Allende, Pipila, der schließlich die Tür der Alhondiga aufsprengt, die Malinche, aber auch Personifikationen, wie zum Bespiel die mexikanische Patria, zu Beginn gefesselt in Papierfesseln. Einen Text gibt es nicht, allein ein Sprecher erzählt über Mikrofon die historischen Ereignisse und kommentiert die Aktionen.

Für Bauten, Requisiten und Kostüme werden einfachste Mittel verwendet. Die Alhondiga, eigentlich ein festungsartiger Steinbau, besteht hier aus Holzbrettern mit Palmen verkleidet. Auch die Kostüme aus Stoffen, Pappe oder Papier sind größtenteils improvisiert, bestehen aus zweckentfremdeter Alltagskleidung und z.B. Stiefeln aus Papierröhren und Papphüten. Der Regisseur Pablo Zavala ist ständig zwischen den Ausführenden anwesend, gibt Einsätze und markiert Beginn und Ende einer Angriffswelle mit einer Trillerpfeife.

Höhepunkt der Darstellung bilden dann auch die Kampfszenen zwischen beiden Parteien. Als Waffe werden in Zeitungspapier eingewickelte Asche, Feuerwerkskörper und kleine Kanonen eingesetzt, in alle Richtungen, ohne Absprachen, festgelegt ist allein die Zeitdauer des Angriffs.

Das Publikum befindet sich dabei auf der Wiese auf der Seite der angreifenden Mexikaner. Es gibt keine eindeutige räumliche Trennung zwischen Agierenden und Zuschauenden. Die Zuschauer sind somit ständig in Bewegung: auf der Flucht vor herannahenden Feuerwerkskörpern und zerplatzenden Aschebällen, nach vorne drängend, um besser sehen zu können und so nah wie möglich am chaotischen Geschehen dabei zu sein.

Obwohl ich nur an einer Aufführung teilhaben konnte und auch nur als Zuschauer, wäre es für zukünftige Praktikanten sicher spannend in einer aufführungsreicheren Zeit dort zu sein und dann auch intensiver mit Merry Blunno zusammen arbeiten zu können. Raum für eigene Recherche-Arbeit oder anderes, sofern Interesse besteht, gäbe es sicherlich. Frau Blunno und besonders ihre beiden Mitarbeiterinnen habe ich als sehr interessiert und liebenswert erlebt. Sicher ein interessanter Ort, um sich mit sehr lebendigen Theaterformen auseinander zusetzen, die mit ihrem Ausdruck von Religiosität und Nationalbewusstsein zugleich stark in der mexikanischen Kultur verwurzelt sind.

Die meiste Zeit habe ich jedoch mit der Grupo de Danza Contemporánea zusammengearbeitet. Die leitende Choreographin der Gruppe ist Patricia Palman, die mit drei weiteren Choreographen an einem Stück über die mexikanische Geschichte gearbeitet hat. Die Aufführung sollte allerdings erst im November sein, was eine intensive Zusammenarbeit, angesichts der Kürze meines Aufenthalts als schwierig gestaltete. Dazu kam der Vorschlag von Patricia Palman während eines Gesprächs zu Beginn, ich könnte ihnen ja ein wenig Rat geben. Eine Absprache, die sich vielleicht als allzu vage herausstellte und nicht wirklich einen Rahmen gab, was denn eigentlich meine Aufgaben sein sollten.

Das geplante Tanzstück sollte aus fünf Teilen bestehen: Vorspanische Zeit - Zeit der Conquista - Unabhängigkeitskrieg - Revolution - Gegenwart. Die vier Choreographen, zwei Frauen und zwei Männer wechselten sich tageweise mit den Proben ab. Geprobt wurde Montags bis Samstags im Centro * ab dem späten Nachmittag. Samstags fand die Probe dann nicht im Probenraum statt, sondern am eigentlichen Ort der Aufführung, einer Freilichtbühne im Jardin Borda. Die Gruppe besteht aus ca. zehn Tänzern, mehrere kamen während der Probenphase noch dazu.

Während der Zusammenarbeit habe ich Entwürfe für Kostüme und Masken entwickelt, vor allem zum ersten Teil des Stücks, der Zeit der Azteken. Ich habe eine Sammlung an möglichen Materialien dafür zusammengetragen: Zeichnungen, Fotographien, Stoffreste, gefundene Gegenstände und Materialien von der Straße für Kostüm und Maske. Außerdem habe ich mich mit der mexikanischen Geschichte auseinandergesetzt und Bücher zum Thema gelesen. Während der Proben konnte ich dabeisein, wie die vorher von den Choreographen erläuterten Szenarien langsam Gestalt annahmen, habe Skizzen von den Tänzern gemacht, und den Choreographen meine Ideen vorgeschlagen.

Größtes Problem der Zusammenarbeit war sicherlich die kurze Zeit. Trotzdem wäre es gut gewesen, wenigstens die Verwirklichung eines kleinen Teils der Arbeit, eventuell Kostüme oder Masken für eine Gruppe von Personen als Aufgabe zu bekommen und auszuführen. Trotz verschiedenster Vorschläge und Variationen zu einer Idee kam es leider zu keiner Ausführung."

Bericht: Stephan K. schreibt über sein Praktikum vom 19.06.-29.09.2000:

Hallo Fenix,

ich habe vom 19. Juni bis zum 29. September 2000 im "Instituto de Cultura de Morelos" in Cuernavaca ein von Euch vermitteltes Praktikum gemacht. Ich wurde der "Subdirectora de Investigación y Promoción Cultural" Maria del Carmen Blunno Bellino zugewiesen.

Maria Blunno ging kurz nach meiner Ankunft für längere Zeit in den Urlaub. Vorher sagte sie mir, ich solle mir die verschiedenen Abteilungen selbst anschauen um mir ein Bild vom Kulturinstitut zu machen und mich entscheiden in welchem ich mein Praktikum absolvieren möchte. Also habe ich die erste Zeit in der Abteilung "Culturas Populares" ein wenig mitgeholfen. Die Chefin der "Unidad de Culturas Populares Descentralizada" ist die Anthropologin Tonantzin Ortíz Rodríguez. Ich habe mich mit ihr sehr gut verstanden und sie erklärte mir die Organisation und die Struktur des Kulturinstitutes. Der Aufbau des Institutes ist undurchdringlich und war für mich anfangs verwirrend weil sich oft die Verantwortlichkeiten des Staates Morelos und die Mexicos, D.F überschneiden. Obwohl das Kulturinstitut zum Staat Morelos gehört, ist Tonantzin und ihre Abteilung "Culturas Populares" Mexico, D.F verantwortlich. Vielleicht verwischen deshalb manchmal die Autoritäten und die Mitarbeiter sind sich unsicher wer nun für was verantwortlich ist. Beispielsweise ist "Museos Comunitarios" ein Teilbereich von "Culturas Populares" und gleichzeitig gibt es im Kulturinstitut einen Spezialisten für Museen in Morelos, der aber nicht in Tonantzin´s "Culturas Populares" arbeitet.

In Tonatzin´s Abteilung habe ich kleinere Büroarbeiten verrichtet. Ich habe die Archive geordnet und reorganisiert und Texte mit dem Computer geschrieben. Dadurch habe ich einen Überblick über das Tätigkeitsfeld des Kulturinstitutes bekommen. So habe ich mitgeholfen die Daten über die Personen und Institutionen denen Geld und Unterstützung des Institutes zu Teil werden zu erfassen und mit der Unterstützung von Benito wurden darüber dann Diagramme erstellt. Diese Statistiken beinhalteten Information über "PACMYC, Arte Popular, Música, Vida Cotidíana, Museos Comunitarios, Medicina Tradicional, Mesa de Cultura, Promoción de la Lenguaje y Poesia en Nahuatl. Teatro Campesino, Publicación de Libros y de Música, Danza, . ."  Außerdem habe ich mitgeholfen Flyer oder Infofaltblätter zu gestalten, die über Veranstaltungen, Aufführungen, oder Ausstellungen informierten, die das Kulturinstitut organisierte oder unterstützte. Diese Arbeit gehört neben dem Anfertigen von "Reconcimientos" (Urkunden, die an die jeweiligen Teilnehmer verlieren werden) zu den alltäglichen Büroarbeiten in "Culturas Populares". Deswegen musste ich mich mit der Arbeit mit einem "Scanner" und den Programmen "Excel" und "Photo Paint" vertraut machen.

Tonantzin fährt nicht oft in die Gemeinden und Dörfer. Einige Male fuhren wir zu Festivals, Ausstellungen oder anderen Ereignissen, die das Kulturinstitut mit Geldern aus dem Programm PACMYC unterstütze. Ich half in Hueyapan und Zacualpan de Amilpas das Festival und die Konferenz "La Pluradid Lingüstica y Cultural de México y Morelos" zu organisieren. Während einer religiösen Dorffiesta präsentierten sich Künstler, Poeten, und Musiker in der Sprache Nahuatl der Öffentlichkeit um die aztekische Sprache zu fördern und zu erhalten. Das Institut veranstaltete viele dieser Ereignisse an religiösen Festtagen um mehr Menschen anzuziehen. Ich bin bei vielen solcher Ereignisse dabei gewesen und habe den "promotores culturales" ein bisschen unter die Arme gegriffen. Dabei beschränkten sich die Arbeiten oft auf das Anordnen der Stühle, auf das Holen und Aufbauen verschiedener Geräte und Sachen, auf das Fotografieren und im geringen Maße auf die Mithilfe beim Organisieren des Ereignisses.

Ein anderes Mal habe ich Tonantzin nach México, D.F in die Zentrale des mexikanischen Kulturinstitutes gefahren, wo sie mich mit den verschieden Abteilungen und den Personen bekannt gemacht hat. Es ist eine enorm große Institution, die fast ein ganzes Hochhaus einnimmt. Zuvor dachte ich, dass die Promotion der mexikanischen Kultur in den Händen einiger erlesener Spezialisten läge, die mehr oder weniger unabhängig arbeiten würden. Die Zentrale aber erschien mir sehr organisiert und sehr modern und sie spiegelte sehr gut die Wichtigkeit der Kultur für die Mexikaner wieder. Die Mexikaner identifizieren sich vielmehr mit ihrer Kultur als die Deutschen und deswegen ist in México die Promotion der Kultur auch viel ausgeprägter als in Deutschland.

Einige Male bin ich mit Tonantzin und ihrer Familie an Wochenende in die Dörfer gefahren um die kulturellen Anschaffungen, die PACMYC den Gemeinden hat zukommen lassen zu betrachten. Ihre Anwesenheit dort war oft nicht viel mehr als eine Formalität. Sie hielt eine kurze Rede, ich machte Photos und damit war der Arbeitstag auch schon beendet. Ein Teil der Arbeit im Kulturinstitut waren auch solche puren Höflichkeitsbesuche, die nicht viel mehr als meine Anwesenheit erforderten.

Da Tonantzin nicht regelmäßig in die Dörfer fährt, bin ich eine Weile in die Abteilung "Arte Popular" gegangen. Der Maestro Guillermo Helmig kümmert sich um die Künstler volkstümlicher Kunst aus Morelos. "Arte Popular" organisiert "Concursos" für Keramik-, Stoff-künstler, Holz-, und Papierkünstler und veranstaltet Ausstellungen populärer Kunst im "Jardín Borda". Guillermo Helmig ging jeden Donnerstag nach Rancho Nuevo und jeden Freitag nach Hueyapan um Kurse über das Nähen und Anfertigen von Kleidern, Tischtüchern, Mützen, ... zu unterrichten. Seine Schüler waren arme Hausfrauen, denen das Kulturinstitut die Möglichkeit gab ein Handwerk zu erlernen und dadurch zusätzliches Geld zu verdienen.

Dabei stellte das Kulturinstitut die benötigten Stoffe und mit Guillermo Helmig noch einen Experten, unter dessen Anleitung die Frauen innerhalb kürzester Zeit erstaunliche Ergebnisse erzielten und der ihnen durch die "Concursos" auch noch half ihre Kunst zu vermarkten. Es war für mich sehr interessant die wöchentlichen Fortschritte der Frauen und ihr steigendes Selbstbewusstsein zu beobachten. In diesem Fall schlug das Institut eine Brücke zwischen Entwicklungs- und Kulturarbeit, da Rancho Nuevo und Hueyapan sehr arme und ländliche Dörfer sind. Ich habe dem Maestro geholfen Stoff zu schneiden und habe Fotos gemacht.

Am 15.9. 2000 war ein großer "Concurso" bei dem unabhängige Experten die besten Stofftischdecken aus Morelos prämierten. Ein großer Teil der Preise gingen an die Frauen von Hueyapan und Rancho Nuevo und der Erfolg Guillermo Helmig´s wurde noch durch einen Presseartikel unterstrichen. Ich bin fast jede Woche in die beiden Dörfer mitgefahren und es hat mich fasziniert zu sehen wie ein Weltmensch von einem Intellekt und einer Erfahrung wie der Argentinier Guillermo Helmig es schafft sich mit solcher Leidenschaft für die Armen und Ungebildeten der Landbevölkerung einzusetzen.

Als dann Maria Blunno zurückkehrte, entschied ich mich sowohl in "Culturas Populares" als auch in "Arte Popular" tätig zu sein. Ich sagte Tonantzin ich würde gerne jede mögliche Arbeit machen die anfällt und so oft wie möglich in die Dörfer fahren. Ihre Hilfe habe ich es zu verdanken, dass ich mich nicht mit dem Problem der "Arbeitslosigkeit" wie viele der anderen Fenixstudenten rumschlagen musste. Es gab nur ganz wenige Tage an denen es nichts zu tun gab, und wenn dies mal der Fall war, dann suchte Tonantzin Arbeit für mich.

Außer der Büroarbeit und dem Außendienst in den Dörfern nahm ich an zahlreichen "Tallers" und Konferenzen des Institutes teil. Dabei half ich diese zu organisieren und dürfte dafür auch an ihnen teilnehmen. Diese Konferenzen fanden oft im Jardín Borda, in der INAH, oder in den Dörfern statt. Beispielsweise wurde im "Taller" "Sensibilización a la Participación Comunitaria por la Protección del Patrimonio Cultural" die Gründung, Organisation und Aufrechterhaltung kommunaler Museen behandelt und die Teilnehmer suchten mit der Hilfe von Spezialisten der INAH nach Möglichkeiten ein "Museo Vivo" zu schaffen, dass durch seine Lebensnähe mehr Leute anziehen soll. Da jeder Teilnehmer in der einen oder anderen Form beruflich mit Kulturarbeit zu tun hatte, wurde außerdem viel über die mexikanische Kultur diskutiert. Dabei wurde vor allem ihre Angst vor der Globalisation und der amerikanischen Kultur deutlich, so dass ich fast das Gefühl hatte sie wollten die Kultur nicht fördern sondern verteidigen. Es war sehr interessant weil sie mich wirklich einbezogen und ich viel nach der deutschen Kultur gefragt wurde und in einigen Fragen (wie nach der Organisation und dem Aufbau deutscher Museen) wirklich passen musste.

Ich nahm auch an dem Basiskurs "Nuestros Papeles" über die Erhaltung von Dokumenten teil. Die Restauratorin Tere Loera Cabeza de Vaca, "Encargada de Despacho del Centro INAH" hielt einen Kurs über Archvieren und darüber wie man Dokumente mit kleinen Schäden restaurieren kann. Der Grund für die Abhaltung dieses Kurses war der zunehmende Verlust von Dokumenten von teilweise historischer Bedeutung durch Verlust, Tierschaden, menschliches Ungeschick oder unsachgemäße Archivhaltung.

Das Kulturinstitut macht unheimlich viele verschiedene Sachen und es ist mir nicht möglich das ganze Tätigkeitsfeld hier in diesem Bericht abzudecken. Deswegen habe ich mich auf einige Beispiele beschränkt an denen ich auch selbst teilgenommen habe. Die Mitarbeiter des Kulturinstitutes kommen aus verschieden Berufsfeldern und spiegeln auch das weite Tätigkeitsfeld des Kulturinstitutes wieder. Der Literaturexperte Francisco hat Literatur studiert, Tonantzin ist Anthropologin, der Künstler und Politologe Edgar kümmert sich um Museen, Kirchen und Expositionen, Guillermo Helmig hat Psychologie, Theater, und Textilwissenschaften studiert, Pedro ist Architekt und einige andere haben keine akademische Ausbildung.

Ich habe nicht viel gearbeitet und auch keine Tätigkeiten verrichtet, die mich zu einem für das Kulturinstitut wichtigen Mitarbeiter gemacht hätten. Für die Kulturarbeit braucht man Experten und vor allem das Vertrauen der Menschen. Ich erinnere mich daran dass ich einmal mit Francisco in ein Dorf fuhr um ein historisch bedeutendes Dokument aus der Revolutionszeit abzuholen um es restaurieren zu lassen. Francisco hat mehr als zwei Jahre lang die Familie regelmäßig gebeten, ihm das Buch ihres Großvaters zur Restauration zu leihen. Vielleicht war es deswegen unmöglich innerhalb der kurzen Zeit von drei Monaten ein eigenes Projekt aufzuziehen. Deswegen konnte ich nicht mehr machen als die "Promotores" bei ihren Projekten zu unterstützen, aber es hat mir sehr gut gefallen und ich glaube ich habe sehr viel dabei gelernt - wenn auch mehr durch zusehen als durch selber tun. Es war ein Praktikum bei dem ich Leute und ihre Kultur kennen lernte. Ich glaube aber nicht, dass dieses Praktikum für jemanden geeignet ist, der darüber eine Diplom- oder Magisterarbeit schreiben möchte oder mit der Illusion dort hinkommt er könne den Mexikanern zeigen wie man Kulturarbeit nach Lehrbuch macht. Ich glaube nicht, dass die Mexikaner das brauchen.

Am Ende möchte ich noch mal all den Leuten aus dem Kulturinstitut meinen Dank für alles aussprechen was sie für mich bewusst und unbewusst getan haben. Ich möchte mich auch bei Yvonne von Fenix bedanken, die immer als Ansprechpartner zur Verfügung stand und bei den Leuten von Fenix in Deutschland die mir immer so nette E-Mails in die USA geschickt haben.

S. Kippes


Praktikumsbericht von K. Pietsch, vom 2. Januar 2001 bis zum 23. März 2001

Mein offizieller Praktikumsbeginn war der 2. Januar 2001. Doch in der ersten Woche des Jahres hatte das Institut Ferien. So habe ich erst am 8. Januar begonnen. Zum ersten Termin, den Fenix mit Maria del Carmen Blunno ausgemacht hatte, war sie nicht da. So kam ich am nächsten Tag mit Veronika wieder.

Zunächst erzählte ich dann kurz etwas über mich, was ich studiere, warum ich hier in Mexiko bin. Ich wurde anschliessend in allen Abteilungen vorgestellt, das heisst in Arte Popular, Culturas Populares und Museos Comunitarios. Daraufhin wurde ich gefragt, in welcher der Abteilungen ich gern mein Praktikum machen würde. Ich gab Maria zu verstehen, dass ich nach einem so kurzen Eindruck nicht sagen könne, welche der Abteilungen nun die interessantere sei und ich ihr deshalb den Vorzug geben würde. Vielmehr habe ich klar gemacht, dass es mir darauf ankommt, einen umfassenden Einblick in die Abeit, Struktur und Funktionsweise des Instituts zu bekommen.

Am nächsten Tag hatte ich dann sofort die Gelegenheit, Philipe, der in Arte Populares arbeitet, bei seiner Arbeit über die Schulter zu schauen. Er fährt durch ganz Morelos, hat viele Kontakte in den Dörfern, vor allem zu den sehr alten Einwohnern. Diese sind "Träger von Wissen und handwerklichen Fähigkeiten" verschiedenster Kunsthandwerke und anderen Kunstgegenständen, die typisch für Morelos sind. Er transportiert die Sachen aus den Dörfern, weil Leute oft selbst nicht die Gelegenheit haben. Somit werden "zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen". Die Leute können mit ihrem Handwerk Geld verdienen und ihre Fähigkeiten sterben somit auch nicht aus. Ein anderes Mal fuhren wir zum Beispiel zu jemandem, der Kerzen herstellt und restauriert (wunderbar grosse Kerzen für religiöse Prozessionen zum Beispiel).

Auch bin ich einmal, als wir ein wenig Zeit hatten, mit Philipe in dem Dorf gewesen, in welchem Emiliano Zapata "sein Hauptquartier" hatte und wo es heute ein Museum gibt. Auf diese Art und Weise habe ich viel über diese für Morelos und ganz Mexiko wohl einmalige historische Figur erfahren.

Generell habe ich mich, wie mein Vorgänger Stephan sehr an die Anthropologin Tonantzin Ortiz Rodríguez gehalten. Sie war zu diesem Zeitpunkt noch die Chefin der Abteilung Culturales Populares. Ich habe immer viel gefragt, und sie hat mir meine Fragen immer ausführlich beantwortet. Vor allem sie, aber auch die anderen Mitarbeiter haben ein exzellentes Wissen über Morelos, Bräuche, Religion, Geschichte, das Leben der Indigenas usw.

Mein Alltag bestand des weiteren darin, mit den Mitarbeitern auf die Dörfer zu fahren. Ich wohnte dort Präsentationen von Projekten aus dem Programm PACyC bei (Programa de Apoyo a las Culturas Municipios y Comunitarios/Programm zur Unterstützung der Kultur der Dörfer). Dies konnte zum Beispiel sein: die Vorstellung eines zweisprachigen Buches, welches das Institut herausgegeben hat. Es heisst: "Oyuai sepa - Había una vez" und ist eine Sammlung aus Geschichten, Gedichten und Legenden in Spanisch und der Indio-Sprache Nahuatl aus dem Dorf Hueyapan.

Im Januar und Februar waren wir noch recht häufig unterwegs, im März sehr wenig. Generell habe ich eine schwierige Zeit im Institut getroffen und dies in mehrfacher Hinsicht. Zum einen ist das erste Trimester des Jahres eher ruhig, die Projekte des letzten Jahres werden evaluiert und es gibt für alle wenig zu tun. Hinzu kam, dass ich Zeuge verschiedenster interner Probleme und Veränderungen wurde, die zum Teil sehr dramatisch waren.

Etwa Mitte Februar erhielt Tonantzin, die insgesamt 10 Jahre im Institut gearbeitet hat und dazu noch hochschwanger war, eine telefonische Kündigung. Auch Maria Carmen Blunno räumte einige Tage später ihr Büro aus. Sie hat jetzt eine Funktion im Instituto de Bellas Artes (die wohl einem Aufstieg entspricht). Grund für all diese Veränderungen war, dass der Biologe Eduardo Hernado Cortés die 2 Positionen - die von Maria und die von Tonantzin in einer Person, nämlich mit sich besetzen wollte. Auch soll wohl in der ganzen Arbeitsweise der Culturas Populares einiges verändert werden.

Tonantzin hielt nach Erhalt der Kündigung noch mal Rücksprache mit ihren Verantwortlichen in Mexiko City und daraufhin wurde klargestellt, dass man ihr nicht kündigen kann, so lange sie schwanger ist. Auch hat Eduardo nicht gewusst, dass Tonantzin überhaupt schwanger ist.

So ist die gesamte Situation im Institut seitdem durch Verunsicherung geprägt. Auch reicht mein Spanisch nicht aus, alles bis ins Detail zu verstehen. Eduardo hat bisher nicht offiziell sein Büro im Insitut bezogen, schaut aber ab und zu vorbei. Es gab einige Termine zu den Veränderungen und zur zukünftigen Arbeit des Insituts. Eduardo hat mit allen Mitarbeitern Interviews geführt.

Mit dem Ende ihres Mutterschutzes ist Tonantzin aus ihrer Position ausgeschieden, ich nehme an, dass Eduardo dann hier ihren Stuhl einnehmen wird. Im Schriftverkehr ist er bereits der neue Ansprechpartner.

Jetzt mal zu den erfreulichen Sachen. Trotz allem habe ich mich im Institut sehr wohl gefühlt, habe guten Kontakt zu den Mitarbeitern gehabt, alle sind freundlich und zuvorkommend. Es gab - wie gesagt - wenig Arbeit, aber das für alle, und manchmal war es schon etwas langweilig. Zu meinen Büroarbeiten gehörte mal Akten ordnen, Etiketten schreiben oder einfach Sachen umräumen. Auch habe ich die Zeit genutzt, viel in den Publikationen des Instituts zu lesen, wobei man auch eine Menge lernt. Oft habe ich auch einfach nur mit den Mitarbeitern geschwatzt. Und das dann aber auch über Mexiko, Probleme im Land, Geschichte usw. Auch wurde ich viel zu meinem Leben in Deutschland gefragt. An solchen Stellen wurden dann unterschiedliche kulturelle Wertsysteme sichtbar.

Ich würde trotzdem jedem, der in dieser Richtung studiert, zu diesem Praktikum raten. Es ermöglicht einen guten Einblick in die mexikanische Gesellschaft und Kultur, vor allem auch in das Leben der Indigenas. Dafür war ich auch sehr dankbar. Ich habe so die Möglichkeit gehabt, das Leben ausserhalb der doch reichen Stadt Cuernavaca zu sehen. Meine Nachfolger/innen sollten auf jeden Fall zu einer anderen Zeit hier arbeiten, am besten im Frühling, Sommer. Da ist auf jeden Fall mehr los.

K. Pietsch

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