Fenix Language Institute in Cuernavaca - Mexiko. Spanisch Sprachschule und Praktikum.


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Praktikumsberichte Waisenheim

Bericht: Kati M. die Ihr Praktikum (27.09.1999 bis 11.02.2000) in einem Waisenhaus machte, das zu dem der Einrichtung zur Familienförderung übergeordneten Amt gehört, beschreibt die soziale Lebenssituation in Mexiko:

"Die Lebenssituation in Mexiko ist sowohl in politischer wie auch gesellschaftlicher Hinsicht sehr stark abhängig von der Familiensituation. Die Mexikaner sind ein Volk, dass sehr stark auf traditionelle Werte wie Familie, Ehe etc. setzt. Dies ist auch bedingt durch kaum vorhandene, bzw. fehlende staatliche Hilfestellung, die es ihnen ermöglichen würden, ohne familiäre Hilfe in schwierigen Situationen wie Krankheit, alleinstehend mit Kind, arbeitslos und geschieden (vor allem auf dem Land) leben zu können. Die meisten staatlichen Hilfsangebote sind sehr stark familienfixiert.

In Mexiko gibt es eine offizielle Schulpflicht, welche aber nicht für behinderte Kinder gilt. Es ist aber auch für "normale" Kinder kein System vorhanden, um nachzuprüfen, ob diese der Schulpflicht nachkommen. So ist vor allem in der ländlichen Umgebung, weitab von großen Städten, z.B. im Süden von Chiapas und in den Gebirgsgegenden eine Bevölkerung anzutreffen, die nur sporadisch wenn überhaupt eine Schule besucht hat. Dazu kommt, dass aufgrund der schwereren Armut und Lebensbedingungen, die Kinder oft für den Familienunterhalt mitsorgen müssen. So das teilweise in rein indigenen Dörfern kaum bzw. kein spanisch gesprochen wird. Es gibt allerdings vor allem durch die Revolutionsunruhen in den 90er Jahren in Chiapas Initiativen, wo ein zweisprachiger Unterricht in spanisch und der entsprechenden ortsansässigen indigenen Sprache abgehalten wird. Es gibt eine Vorschule, eine der Grundschule entsprechende Einrichtung ( meist ab 6 Jahre) und dann eine schulische Ausbildung bis in die 10.Klasse. Danach schließt sich eine auf den Beruf vorbereitende Schule an und dann die eigentliche Ausbildung oder man wählt das Abitur an. Die staatlichen Schulen sind kostenlos, haben manchmal aber eine Schuluniform, die natürlich von den Eltern bezahlt werden muss. Für körperbehinderte Kinder gibt es in großen Städten auch Sonderschulen, der Verbreitungsgrad ist aber noch sehr gering.

Es gibt kein wie in Deutschland gegen Risiken abgesichertes, staatlich vorgeschriebenes Versicherungssystem. Eine Krankenversicherung haben nur diejenigen und ihre Familien, die in einer staatlichen Einrichtung/ Firma arbeiten. Die Höhe des Beitrages ist vom Einkommen abhängig. Alle anderen müssen selbst eine Versicherung abschließen, was dem Großteil der Bevölkerung nicht möglich ist, aufgrund zu hoher Beiträge. (Die Reallöhne wurden in den letzten 10 Jahren um die Hälfte gekürzt.) Arbeitslosengeld gibt es nicht, so dass man in diesem Falle auf die Familie angewiesen ist. Ebenso gibt es kein Mutter- oder Kindergeld.

Die Regierung bemüht sich die hygienische Situation in ländlichen Gebieten zu verbessern. Dabei geht es vor allem, um die notwendige Aufklärung z.B. über die Vermeidung von Cholera, Krebsvorsorge, Kinderernährung etc. Aber auch die sexuelle Aufklärung und dazugehörige Themen wie Verhütung sind ein Bestandteil dieser Bemühungen. Dazu gibt es in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen mobile Ärztegruppen, die solche Gegenden besuchen, Informationsmaterialien verteilen, Ratschläge geben, Untersuchungen durchführen etc. Dieses kostenlose Angebot ist, meiner Meinung nach, sehr wichtig. Die Schwierigkeit besteht natürlich darin, die Leute für solche Dinge zu sensibilisieren und auch zu motivieren."

(...)

Ich begann meine Arbeit um 8.00 Uhr mit dem Frühstück der Säuglinge. Danach folgte das Ankleiden, waschen und Windeln der Kleinen. Am Dienstag und teilweise Donnerstags fuhr ich dann mit zwei Kindern in Begleitung einer Krankenschwester zum Therapiezentrum *. Bei diesen beiden handelte es sich um einen 6 Monate alten Jungen, der Entwicklungsverzögerungen hatte; er machte keine Anstalten sich vorwärts zu bewegen, zu krabbeln und war auch im Spielverhalten sehr inaktiv. Das andere Kind war ein 3 Jahre altes Mädchen, dass eine Gehbehinderung hatte und bekam eine Wasser/Massagetherapie und eine Physiotherapie. Dieses Mädchen konnte aufgrund ihrer Behinderung ihre Beine nicht nutzen, um zu krabbeln, konnte aber mit Hilfe stehen, allerdings sehr unsicher. Man hat die Hoffnung, dass sie bei intensiver Förderung zum Teil eine Gehfähigkeit aufbauen kann. Da eine intensive Betreuung auch aufgrund fehlenden Fachpersonals nicht möglich ist, wurde sie später, kurz vor Beendigung meines Praktikums, in ein spezielles Heim nach Mexiko-City verlegt, wo Fachpersonal angestellt ist und auch Geräte vorhanden. Ich denke (und hoffe), dass sie dort mehr heilpädagogische Betreuung und auch Aufmerksamkeit bekommt.

Die Zeit zwischen Frühstück und Mittag nutzte ich, um mit den Kindern zu spielen und mit den zwei Kindern ihre täglichen Übungen zu absolvieren. Die Kindern wurden von mir auf den Boden gesetzt , was erstmal nicht spektakulär klingt. Wenn man aber bedenkt, dass diese Kinder es nicht gewöhnt waren, regelmäßig mit anderen zusammen zu sitzen und zu spielen, war es für sie teilweise eine neue Erfahrung. Vor allem bei Kindern im gehfähigen Alter (9 Monate -1 ½ Jahre), welche aber noch nicht gehen konnten, wurden sehr ungern von den Krankenschwestern rausgesetzt; nach meinen Eindrücken, weil man auf solche Kinder ja verstärkt aufpassen muss, Säuglinge bewegen sich da weniger.

Ein sehr auffälliges, wenn auch schwaches Zeichen des beginnenden Hospitalismus konnte man bei einigen Kindern beobachten. Diese schlugen aus Langeweile oder weil sie sich ärgerten die Köpfe an die Gitterstäbe ihrer Betten.

Eine andere Auswirkung konnte ich an einem damals 1 1/4 jährigen Jungen beobachten. Wurde dieser auf den Boden gesetzt und man legte ihm kein Spielzeug hin, weinte er. Nahm ihm ein anderes Kind das Spielzeug weg, schrie und weinte er auch. Er zeigte nicht den geringsten Ansatz einer Bewegung, um Spielzeug zu holen etc.. Innerhalb einiger Wochen lernte er das Krabbeln, sein Spielzeug zu verteidigen und wurde ein sehr aufgeweckter Rabauke. Auch das Zusammenspiel mit anderen ergab sich fast automatisch und soweit es bei Kleinkindern möglich ist. Das Schönste war natürlich für mich als er im letzten Monat meiner Tätigkeit laufen lernte, ebenso wie zwei andere Kinder in ähnlichem Alter.

Ein anderes wunderschönes Erlebnis war, dass mein insgeheimer Liebling, der 6-monatige Junge, nach einiger Zeit intensiver Beschäftigung und auch der Therapie anfing zu krabbeln und zu brabbeln.

Es ist natürlich schwer zu unterscheiden, welchen Einfluss nun die Therapie bzw. das tägliche Kindern hatte und welchen die altersbedingte Weiterentwicklung. Leider hatte ich auch überhaupt keine Vorbildung zum Thema der Frühförderung, die ich hätte anwenden können. Bei meinen beiden Therapie-Kindern konnte ich nur die geforderten Übungen machen, so unsinnig sie mir teilweise auch erschienen und erweiterte diese um das Spielelement. Das hieß, dass das Mädchen über meine ausgestreckten Beine kriechen musste, um an ein Spielzeug heranzukommen. Dabei musste sie zwangsläufig die Beinchen anziehen. Auch bei dem Jungen verfuhr ich ähnlich und versuchte ihn mit Spielzeug, durch wegnehmen und wieder näher hinlegen ect. aus der Reserve zu locken.

Ich denke, es hat den Kindern auf alle Fälle sehr gut getan und die Entwicklung beschleunigt. Die andere Sache, die es zu befürchten gab, war, dass sich die Kinder an das tägliche Spielen zu sehr gewöhnen und später wenn ich nicht mehr da wäre, dies zu stark vermissen und dabei einen physisch wie auch seelischen Verlust erleben würden. Deshalb versuchte ich diese Spielerei in arhythmischen Zeitzyklen zu veranstalten, mal nur mit einigen Kindern, mal mit allen, je nach dem, damit sie sich nicht an eine Routine gewöhnten. Es ist schwer, an solche Vorausschauungen zu denken. Aber die Krankenschwestern, so lieb sie auch sonst waren, holten mich immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. So wurde ich ab und zu informiert, nachdem ich durch die Besichtigung der anderen Stellen, immer mal wieder fehlte, dass die Kinder unruhig wären, nachmittags immer raus wollten. Bei solchen Anlässen musste ich mir sehr oft auf die Zunge beißen. Ebenso bei der Begründung, die Kinder dürften heute nicht auf dem Boden spielen, weil sie eine Erkältung hätten. Von Abhärtung hielt das Personal nicht viel.

Zu meiner Arbeit mit der Sozialarbeiterin ist nicht viel erwähnenswert. Sie war fast gar nicht auf mich vorbereitet, ich war die erste Praktikantin aus dem Ausland. Da sie auch nicht so viel zu tun haben schien, wobei ich ihr hätte zur Hand gehen können, beschränkte sich meine Arbeit zu 70% auf das Babyhaus. Ich hatte mit ihr einige sehr ausführliche Gespräche zum Thema Sozialarbeit in Mexiko. (...)

Am Anfang war ich von dem Heim sehr begeistert. Ich hatte nicht so ein luxuriöses Gelände erwartet, nicht so einen sauberen Eindruck. Nach einigen Tagen war ich dann aber, nun ja, fast erschüttert, wie in einem dermaßen fortschrittlichem Heim derartige Erziehungsfehler gemacht werden können. Man kann anhand des Konzeptes sehen, dass das theoretische Grundwissen da ist. Was meiner Meinung nach fehlt, ist eine Überprüfung dieser Theorien in der Praxis und auch die Sensibilisierung der Mitarbeiter für diese. Da kein Engagement von dem vorhandenen Personal da war, die eine fehlende Spezialisierung als Erzieher oder Kindergärtner ausgeglichen hätte, muss ich sagen, dass ich den gesamten Personalbereich der Krankenschwestern und Kinderpflegerinnen für fehlbesetzt hielt.

Eine andere Tatsache störte mich ebenso. Es war manchmal nicht möglich, die Kinder zur Therapie zu bringen, weil das Heimauto unterwegs war. Man hätte ebenso mit dem Bus fahren können.

Trotzdem kann ich sagen, daß ich das Praktikum sehr genossen habe, Eindrücke eines anderen Landes zu bekommen, die Sonne genießen etc. Auch war es für mich sehr interessant, das mexikanische Berufsbild eines Sozialarbeiters mit dem deutschen zu vergleichen.

Ich hatte mir von diesem Praktikum nicht viel fachliches Vorwärtskommen erwartet, so dass ich auch nicht enttäuscht bin. Ich bin auch von vornherein mit der Ansicht in das Praktikum getreten, dass ich nichts verändern werden kann. In diesem Bereich, in den man sehr schnell in Fettnäpfchen treten kann, hatte ich also auch keine "schwerwiegenden" Probleme.

Am wichtigsten sind für mich die Erfahrungen, die ich für mich selbst, für meine Person gewonnen habe. Ich weiß, dass ich in einem fremden Land leben kann, mich anpassen, manchmal zu sehr, kann. Ich weiß, das ich andererseits meine Familie, Freunde und auch das Studium sehr stark vermisst habe, vor allem in der letzten Zeit vor dem Heimflug. Und ich weiß auch, das man in einer unteren Position in der Arbeit oftmals sich mit den Einflussmöglichkeiten, die einem zugestanden werden, zufrieden geben und arrangieren muss. Was aber nicht heißen soll, dass man nicht mehr versucht dagegen anzukämpfen. Aber oftmals gibt es, so denke ich Arbeitsplätze, an denen man keinerlei Einflussmöglichkeiten auf Änderungen hat, weil das System zu festgefahren ist. Aber, wie Birger Sellin einmal schrieb: "Passe dich nicht an, wenn deine Seele dabei kaputt geht.""

2. Bericht: Monika S. machte ein 6-wöchiges Praktikum von Sept.-Nov. 1999 und erzählt:

"(...) Das Kinderheim beherbergt 45 Kinder im Alter von 0-12 Jahren wobei die meisten der Kinder aufgrund von Mißhandlung und Vernachlässigung einige auch als Halb-oder Vollwaisen in das Heim gebracht wurden.

Das Centro ist ein temporäres Kinderheim d.h. die Kinder kommen direkt aus ihren Familien in das Heim und es wird während ihres Aufenthaltes entschieden ob sie in ein dauerhaftes Kinderheim überwiesen werden, ob z.B. nach erfolgter Alkoholtherapie der Eltern die Möglichkeit besteht diese wieder in die eigene Familie einzugliedern oder ob ein Adoptionsverfahren angestrebt wird.

Meine Aufgabe bestand in der Betreuung der noch nicht schulpflichtigen Kinder im Alter von etwa 2-7 Jahren bzw. auch der behinderten Kinder denen keine Möglichkeit gegeben wurde eine Schule zu besuchen. Ich arbeitete 5h täglich und begann etwa gegen 11.00 Uhr vormittags. Am vormittag arbeiteten zwei andere deutsche Praktikanten und ich mit einigen der Kinder, wir versuchten mit Ihnen einfache Dinge zu basteln wie z.B. Masken, Rasseln, Bilder oder Spiele zu spielen. Dabei fiel es den Kindern, die weder die Möglichkeit haben einen Kindergarten zu besuchen noch an gemeinsamen Unternehmungen, Spielen o.ä. teilzunehmen sehr schwer sich für etwa 1 h zu konzentrieren um z.B. ein Bild fertigzustellen. Außer den Mahlzeiten ist der Tag der Kinder nicht gegliedert, die Kinder sind im Umgang z.T. aggressiv, aber auch sehr liebesbedürftig und anhänglich, so daß es uns nicht möglich war mit mehr als etwa 4 Kindern auf einmal etwas zu unternehmen.

Gegen 13.00 Uhr gab es für die Kinder mittag essen, ich verteilte Essen und half den Jüngeren beim essen. Von 14.00 - 16.00 Uhr kümmerte ich mich dann um die alltäglichen Schwierigkeiten der Kinder wie z.B. Klogänge (viel der kleineren oder auch kranken Kinder waren nicht in der Lage die Toiletten rechtzeitig zu erreichen...), versuchte Streite zu schlichten etc. hatte also kein weiteres Programm für die Kinder vorbereitet.

Leider war es auch auf mehrmaliges Anfragen hin nicht möglich die im Heim angestellte Psychologin während ihrer Arbeit zu begleiten (während meiner Praktikumszeit bastelte sie meist mit anderen Mitarbeitern des Heimes Engel für den Weihnachtsbasar), eine Praktikumsbetreuung oder Vergleichbares von Seiten der Angestellten fand also nicht statt.

Die sonst im Heim angestellten Betreuer beaufsichtigten die Kinder lediglich, die Motivation mit den Kindern hin und wieder etwas zu spielen, eine Geschichte vorzulesen o.ä. war nicht vorhanden. So war es nützlich das ich mit anderen Fenix-Praktikantinnen im Heim war, da wir uns gemeinsam wenigstens für den vormittag ein Programm für einige der Kinder überlegten.

Mein Praktikum hat mich persönlich bereichert, ich wurde mit Situationen und Nöten konfrontiert die mir Einblick in die Schwierigkeiten des Landes Mexico gaben. Leider war es nicht möglich ein qualifizierendes Praktikum zu absolvieren, da ich keine Möglichkeiten hatte fachliche Einblicke in die Arbeit der Psychologin zu bekommen."

Zurueck zu den Praktikantenberichten


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